Wehe, wenn du sie mal wirklich brauchst

veröffentlicht von Esmeralda, 1 Kommentar
Von Hexenschuß, Ärzten und Sprechstundenhilfen

Heute morgen um sechs bin ich aufgewacht, weil etwas auf meinem Arm 'rumkrabbelte. Es war mein Mann, der ziemlich verzweifelt versuchte, mich wachzukriegen, weil ihn eine Hexe angeschossen hatte und er vor Rückenschmerzen nicht mehr alleine aus dem Bett kam. Ich also erstmal los, zwei Wärmflaschen gemacht, zugesehen, dass der Kerl was ißt und ihm dann eine Schmerztablette in den Hals geworfen. Auf meine Frage, ob ich denn den ärztlichen Notdienst anrufen solle, meinte er: "Ach, nö, ist ja bald acht, da ist mein Hausarzt dann ja da." Ich kann's verstehen, sein Hausarzt ist Chiropraktiker und ihm schon einige Male erfolgreich und schmerzbefreiend ins Kreuz gesprungen.

Als es dann acht war, habe ich den Hausarzt auch angerufen. Der Mann arbeitet in einer drei-Ärzte-Gemeinschaftspraxis, hat schon mal ein bisschen gedauert, bis die Sprechstundenhilfe mit der Meldung fertig war. Ich erzähle ihr dann also, wie es so ist, da meint sie: "Oh, das ist aber ganz schlecht. Herr Doktor ist heute nämlich allein und das Wartezimmer ist voll, ich frag' mal." Sie parkt mich also unter ihrem Knöpfchen, wo ich Mütterberuhigungsmusik zu hören bekomme, unterbrochen von der Aufforderung, doch bitte in der Leitung zu bleiben - dreisprachig, sehr beeindruckend, internationale Arztpraxis - dagegen wirkt meine Hausärztin ja wirklich sehr provinziell.

Nach so zwei, drei Minuten war die Dame wieder am Telefon und erklärte mir, dass "Herr Doktor" vor fünf, halb sechs heute abend leider, leider keine Zeit haben würde, vorbeizuschauen. "Und was sind die Alternativen?" frage ich. "Tja", sagt sie, "dann müssen Sie ihn eben in die Sprechstunde bringen". Ich habe mir daraufhin erlaubt, die Dame dann doch etwas ungeduldiger darauf hinzuweisen, dass ich bereits erwähnt habe, dass mein Mann nicht gehen kann, ich bräuchte da schon eine andere Alternative. "Im Telefonbuch stehen ja ganz viele Nummern", meint sie daraufhin. Ich habe mich dann für ihren hilfreichen Rat bedankt und mich auch noch sehr höflich verabschiedet. Danach habe ich dann bei meiner provinziellen Hausärztin angerufen.

Die Sprechstundenhilfe dort hörte sich an, was ich unter Tränen zu berichten hatte und meinte "Frau Doktor ist noch nicht da, aber ich sage ihr Bescheid, sobald sie kommt, wir rufen Sie zurück, ja?" Ja! Gern! Eine halbe Stunde später rief auch prompt meine Hausärztin an, erkundigte sich bei meinem Mann, was los sei und gab Rat, wie er sich verhalten solle, bis sie (so gegen zwei Uhr) hier einträfe.

Um halb drei war sie dann auch da, hat meinen Mann behandelt und mit gutem Rat versorgt und ihm gesagt, dass er sich am Montag wieder melden solle - wenn er gehen kann, in ihrer Praxis, sonst kommt sie nochmal vorbei.

So, was ist jetzt besser: Auf Deutsch, Englisch und Französisch gebeten werden, in der Leitung zu bleiben oder einen Arzt ans Telefon zu bekommen, der sich um das Problem kümmert? Ich habe ja den starken Verdacht, dass mein Mann seit heute eine neue Hausärztin hat...

Kommentare

Juana

schrieb am

Also,das mit dem internationalen Arzt ist ganz klar Unterbesetzung.Trotzdem doof.Die hättendir zumindest einen besseren Tipp als das telefonbuch geben können.

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