Esmeralda kennt Wayne

Equal Pay Day

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Equal Pay Day ist das rote Tuch für viele Männer, die arbeiten gehen müssen, obwohl sie eine Familie zuhause haben (oder sich vorstellen können, in Zukunft eine zu haben). Die Argumentation, die an diesen Tagen kommt, ist eigentlich immer dieselbe:

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber das ist das, was mir vorwiegend vor die Nase tanzt. Ich finde den Denkansatz grundfalsch, wenn auch nachvollziehbar.

Wir leben immer noch in einer Gesellschaft, der ein Rollenbild zugrunde liegt, das mit den Realitäten nichts zu tun hat. Es sieht von meinem Standpunkt aus gesehen folgendermaßen aus:

Dieses Gesellschaftskonzept hatte nach dem 2. Weltkrieg seine Berechtigung, heute ist es einfach eine Illusion. Es fängt mit dem Konzept der Ehe und der "ewigen Haltbarkeit" derselben an. Heutzutage ist es für niemanden mehr eine Schande, geschieden zu sein; dieses Stigma hat unsere Gesellschaft gottseidank überwunden. Es ist nicht mehr erheblich, wer nun die Schuld am Zerbrechen der Lebensgemeinschaft trägt und es werden vernünftige Versorgungsausgleiche geschaffen.

Trotzdem bedeutet eine Scheidung immer noch einen sozialen Abstieg. Das haben wir einerseits dem Gesetzgeber zu verdanken, der dafür sorgt, dass geschiedene Paare aufs Ganze gesehen mehr Steuern zahlen, andererseits ist es natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass zwei kleine Wohnungen mehr kosten als eine große Wohnung, dass eventuell statt eines Autos zwei da sein müssen und dergleichen. Das macht das Leben für geschiedene (und auch für unverheiratete) Paare deutlich teurer. Allein das betrachte ich als massive Ungerechtigkeit - das Steuerrecht muss hier endlich den Realitäten angepasst werden. Darüber, dass meistens die Frauen diejenigen sind, bei denen die Kinder bleiben und die dann berufliche Nachteile erleiden, weil die Kinder bei ihnen leben, lasse ich mich jetzt nicht ausführlich aus - das setze ich als bekannt voraus.

Außerdem führt dieses Konzept zu gesamtgesellschaftlichen Denkfehlern; Frauen, die Kinder haben und eben nicht oder nur in Teilzeit einer Erwerbsarbeit nachgehen, haben nicht mehr Freizeit. Im Gegenteil: Sie sind üblicherweise 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche "im Dienst". Und das sowohl zuhause als auch im Urlaub. Gesellschaftlich wird die Zeit, in der sie zwar durchaus arbeiten, aber nicht dafür bezahlt werden (obwohl sie hier einen wirklich gewaltigen Dienst an der Gesellschaft leisten), als "Freizeit" angesehen. Sie sind sozusagen Hobbymütter, Hobbyhaushälterinnen, Hobbyköchinnen, Hobbyverwalterinnen und so weiter und so fort.

Diese "Hobbyarbeiten" bewegen sich beim ganz überwiegenden Teil der Frauen, die sie erledigen, sehr weit von ihren Ausbildungsberufen entfernt. Damit machen sie zwar durchaus neue Erfahrungen, ihr Blick wird auch erweitert - aber für den Beruf nützt ihnen das herzlich wenig. Sie verlieren an Berufserfahrung, sie sind von Weiterbildung praktisch abgeschnitten und wenn sie tatsächlich über einen längeren Zeitraum "zuhause geblieben" sind, benötigen sie Wiedereingliederungsmaßnahmen. Selbstverständlich (vom ökonomischen Standpunkt aus) wird das zu einem "Karriereknick" führen - oder eben zu keiner Karriere. Gerade gebildete Frauen mit einer wirklich guten Ausbildung überlegen deshalb mehrfach, ob sie wirklich Kinder haben möchten - darin liegt übrigens der Misserfolg der "Herdprämie".

Entscheidet sich eine Frau, das mit den Kindern sein zu lassen und sich lieber beruflich zu entwickeln, sieht sie sich zwei Problemen gegenüber: Einerseits wird ihr in der Erwerbsarbeitswelt mit großer Vorsicht und großem Mißtrauen begegnet werden, solange sie in einem Alter ist, in dem sie Kinder bekommen kann. Das hat viel mit Gesetzen zu tun und damit, dass niemand seinem Arbeitgeber Rechenschaft schuldig ist über die persönliche Lebensplanung. Andererseits wird sie gesellschaftlich viele Diskussionen führen müssen, denn es sind immer noch sehr viele Menschen der Ansicht verhaftet, dass eine Frau Kinder bekommen müsse, weil sie Kinder bekommen kann.

Sehr viele Frauen stehen also vor einer Wahl, vor die Männer sich nicht wirklich gestellt sehen: Sie müssen sich zwischen einem erfüllten Berufsleben und dem Wunsch nach Familie mit Kindern entscheiden. Es sind sicher nicht alle Frauen - aber doch ausreichend viele, dass da eine kritische Masse überschritten ist.

Statt also nun vermittels aller dieser Argumente (die für sich genommen sicherlich verständlich und valide sind) Männer und Frauen gegeneinander zu stellen, fehlt es an Überlegungen, wie wir das Familienleben und das Erwerbsleben für alle Menschen gut unter einen Hut bringen.

Wie erhalten wir denjenigen, die durchgehend Erwerbsarbeit leisten (das sind - noch - meistens die Männer) die durchaus verdiente Anerkennung für ihren Beitrag zum ökonomischen Erfolg dieser Gesellschaft und sorgen gleichzeitig dafür, dass diejenigen, die die Betreuungsarbeit leisten (das sind - noch - meistens die Frauen), endlich die verdiente Ankerkennung dafür bekommen?

Wie können wir als Gesellschaft alleinerziehende Frauen unterstützen, die einer (ihrer Ausbildung entsprechenden) Erwerbsarbeit nachgehen möchten, das aber nicht oder nur teilweise können, weil sie sich eben um ihre Kinder kümmern wollen?

Wie können wir als Gesellschaft den "Erwerbsdruck" von den Männern nehmen und so dafür sorgen, dass sie ihre Familien nicht nur "versorgen", sondern auch am Familienleben teilnehmen können, ohne dabei berufliche Nachteile fürchten zu müssen?

Wie sollten wir unsere Gesellschaft umgestalten, um den Anforderungen gerecht zu werden? Wer ist hier in der Pflicht? Wie viel dürfen und müssen wir von der Politik erwarten, wie viel von der Wirtschaft?

Das alles sind Fragen, die mich umtreiben. Sicher, es gibt Ansätze. Wir von der Piratenpartei vertreten die Ansicht, dass ein Grundeinkommen für alle hier durchaus einen Lösungsansatz bieten kann. Daneben gibt es auf wirtschaftlicher Seite auch sehr interessante Modelle, wie zum Beispiel den Ansatz von Ricardo Semler, einem brasilianischen Unternehmer, der sein Unternehmen radikal umgestaltet hat.

Letzlich finde ich, wir sollten aufhören, uns gegenseitig zu beweisen, dass der Gender Pay Gap nicht oder doch existiert und damit anfangen, unsere Gesellschaft endlich neu zu denken.

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Kooperation sozialliberaler Kräfte

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Die Mail, die gestern abend meine Mailbox erreichte, enthielt die Botschaft, dass

Außerdem enthält das Schreiben noch eine recht ausführliche Begründung, die ich hier nicht zusammenfasse.

Wie bewerte ich das jetzt für mich?

Die Sache an sich

Wir leben derzeit in einer Gesellschaft, die Gefahr läuft, die Schwachen zurückzulassen, die Bedürftigen allein zu lassen und die Übersatten noch weiter zu füttern. Politische Strömungen, die man mindestens autoritär nennen muss, sind auf dem Vormarsch. Viele Menschen fürchten, dass wir entweder in einer Diktatur leben oder von den großen, weltweit operierenden Wirtschaftsunternehmen regiert werden - eventuell sogar beides. Menschen, die tatsächlich sozial und freiheitlich denken, sind in vielen, relativ kleinen Parteien und Organisationen vereint. Das nimmt ihnen die Möglichkeit, wahrgenommen zu werden. Eine Zusammenarbeit im größeren oder sogar großen Rahmen wäre durchaus wünschenswert, um den Organisationen, die sich einerseits für die Schwachen einsetzen, andererseits für die Freiheit des Einzelnen da sein möchten, eine hörbare Stimme zu verleihen.

Insofern ist die Überlegung, eine Zusammenarbeit anzustoßen nicht nur eine gute Idee, nein, eine Zusammenarbeit wäre sogar sehr wünschenswert, um tatsächlich wieder menschliche Werte über wirtschaftlichen Erfolg stellen zu können.

Ich bin sehr für eine Zusammenarbeit zwischen Parteien und Organisationen, die sich für die oben genannten Ziele und Werte einsetzen. Es ist wichtig, dass wir uns endlich Gehör verschaffen, dass endlich nicht nur Vernunft, sondern auch Herzenswärme in der Politik Einzug halten. Die Brutalität, die aus Gesetzeswerken wie dem, das Hartz IV zugrunde liegt, spricht, ist unmenschlich. Es müssen dringend wieder Wege gefunden werden, aus einer riesigen Ansammlung von Menschen, die sich durchs Leben kämpfen, eine Gesellschaft zu machen. Wenn eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, dieses Ziel erreichen kann, wenn da eine Chance besteht, dann bin ich sehr dafür und auch bereit, an der Ausgestaltung mitzuarbeiten.

Kommuikation

Gespräche sind zunächst immer etwas Gutes; wer miteinander spricht, lernt sich kennen und kann bewerten, inwieweit Zusammenarbeit möglich sein könnte. Dass jetzt nicht der Vorstand hingehen kann und sagen "Hey, redet mal mit den Leuten von dieser und jener Organisation/Partei, um herauszufinden, ob ihr mit denen zusammenarbeiten könnt", ist auch grundsätzlich klar.

Ich finde es also gut, wenn der Bundesvorstand meiner Partei mit anderen Organisationen und/oder Parteien spricht, um herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit möglich sein könnte. Es ist auch absolut in Ordnung, wenn der Bundesvorstand das zunächst tut, ohne die Mitglieder um Erlaubnis zu fragen - es könnte ja sein, dass sich im Gespräch herausstellt, dass das eine schlechte Idee war. Also: Erst herausfinden, ob das überhaupt eine Möglichkeit ist, dann die Mitglieder fragen, was sie davon halten. Wir haben uns in der Vergangenheit ja wirklich gar zu oft mit nutzlosen Diskussionen über völlig unausgegorene Ideen aufgehalten, das muss nicht sein.

Punkt 1: Gespräche zunächst in einem kleinen Kreis führen, um herauszufinden, ob Möglichkeiten bestehen ist von meinem Standpunkt aus absolut in Ordnung.

Spätestens, wenn die Idee konkrete Formen annimmt, sollte dann aber doch im größeren Kreis darüber gesprochen und Vor- und Nachteile bewertet werden. Das ist bei den Piraten grundsätzlich geschehen, weil das Thema in der 1V-Runde besprochen wurde.

Punkt 2: Information intern weitergeben und sich im erweiterten Kreis beraten ist durchaus angebracht. Inwieweit dann schon allgemein informiert werden sollte, muss sich an dieser Stelle ergeben. Hier fällt mir eine Einschätzung schwer, denn ich weiß nicht genau, was im Einzelnen besprochen wurde. Da muss ich mich also auf mein Gefühl verlassen und das sagt "grenzwertig, aber noch in Ordnung".

Die Pressekonferenz ist für den 21. März geplant, die Mail an die Mitglieder ging am 16. März auf den Weg. Das ist, wenn man das Ereignis als Neuigkeit auf den Weg bringen möchte, eigentlich zu früh. Nachdem aber schon seit der Vorwoche Leaks aus den Reihen der Neuen Liberalen auf Twitter zu sehen waren, war das schon fast zu spät, um die Mitglieder der Piraten auf diesem Weg mitzunehmen. Inklusion ist eben leider nicht nur barrierefreies Webdesign, sondern auch eine Informationspolitik, die die Mitglieder rechtzeitig und in ausreichendem Umfang ins Bild setzt.

Punkt 3: Die interne Kommunikation war deutlich optimierungsfähig. Es wurde zu lange gezögert, bevor die Mitglieder informiert wurden. Ich kann das Vorgehen verstehen, denn es sollte ja auch ein gewisser medialer Effekt erzielt werden. Andererseits wird so eine Vorgehensweise gerade in der Piratenpartei als intransparent empfunden, deswegen muss man damit rechnen, mehr als nur Gegenwind zu ernten.

In der Mail, die die Mitglieder der Piratenpartei erhalten haben, steht nichts Konkretes. Es ist die Rede von "den jeweiligen Vorsitzenden mehrerer sozialliberaler und humanistischer Organisationen", mit denen zusammen eine Pressekonferenz gegeben werden soll. Auch hier sehe ich, dass die Organisationen deshalb nicht genannt werden, weil ja noch eine Neuigkeit für die Journalisten da sein soll, wenn sie zur Pressekonferenz kommen. Intern ist das grundsätzlich sehr schwer zu vermitteln, denn der Vorwurf der Intransparenz (die hier aus gutem Grund stattfindet) wird erhoben werden. Das ist ein Dilemma, aus dem ich den Ausweg nicht sehen kann, es sei denn, man wollte auf den Nachrichtenwert der Pressekonferenz verzichten; die kann man sich dann aber eigentlich auch sparen.

Punkt 4: Es musste eine Entscheidung getroffen werden: Nachrichtenwert erhalten oder Mitglieder vollumfänglich informieren. Die Entscheidung fiel zugunsten des Nachrichtenwertes. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist in meinen Augen eine Frage des Standpunkts; ich kann die Argumente für beides gut verstehen und befinde mich deshalb an dieser Stelle in einem Zwiespalt.

Der Prozess für eine Zusammenarbeit ist längst angestoßen - der hat mit den ersten Gesprächen begonnen. Die Pressekonferenz ist anberaumt und sie wird stattfinden. Das vermittelt Piraten ein Gefühl der Machtlosigkeit. Nichtsdestoweniger: Zusammenarbeit halte ich grundsätzlich für eine gute Idee. Worauf es jetzt ankommt, ist die Gestaltung und die sollten wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen.

Punkt 5: Unser Bundesvorstand hat eine Zusammenarbeit sozialliberaler Menschen angestoßen, ohne uns zu fragen, ja. Deswegen sollten wir aber trotzdem so vernünftig sein, uns die Sache anzusehen und ordentlich auszugestalten. Ablehnung aus einem Gefühl der Machtlosigkeit, des Zurückgelassenseins oder schlicht des Beleidigtseins ist etwas, was wir hinter uns gelassen haben sollten.

Lasst uns aus dem, was wir vorfinden, etwas wirklich Gutes machen. Immer daran denken: Wir sind Piraten!

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Der Piratenpartei zum Weltfrauentag ins Stammbuch geschrieben

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Heute vor einer Woche war Aschermittwoch. Traditionell versammeln sich an diesem Tag die Mitglieder der Parteien, um Reden zu schwingen und dem politischen Gegner so richtig einen mitzugeben. Das ist oft überzogen und meistens ganz lustig für die Anwesenden. Die Piratenpartei hat ihren Piratigen Aschermittwoch dieses Mal in Straubing veranstaltet und zu unserer großen Freude war tatsächlich auch Presse anwesend, die fleißig dokumentiert hat.

Von den neun Rednern waren vier Frauen: Nicole Britz, ehemalige Landesvorsitzende, mit einer U-Bahnfahrt durch die politische Landschaft Bayerns, Katharina Grassler, Bundestagskandidatin der bayerischen Piraten mit Listenplatz drei, mit einem Bericht über wirklich unerhörte Vorgänge in ihrer Heimatstadt Regensburg, Lea Laux, Landtagskandidaten der saarländischen Piraten und inzwischen auch Spitzenkandidatin für den Bundestag, mit einem Bericht über die Politik im Saarland und ich selbst, Astrid Semm, politische Geschäftsführerin im Landesverband Bayern der Piratenpartei, mit Kritik an der Familienpolitik und ein paar Hieben in Richtung CSU.

Der sehr ausführliche Bericht im Straubinger Tagblatt (auf Twitter gibt es ein Foto von der Printausgabe) ging bedauerlicherweise nur auf vier der männlichen Redner ein - erstaunlich genug, in Anbetracht der Tatsache, dass auch die Damen, die Reden hielten, durchaus keine unbekannten Größen innerhalb der Partei sind. Bei mir überwog an der Stelle aber die Freude darüber, dass die Piraten endlich mal wieder in einem ausführlichen Artikel Erwähnung fanden.

Was mich aber wirklich erstaunt hat, war die Pressemeldung der Piratenpartei. Geschrieben wird hier über drei der vier im Straubinger Tagblatt genannten Redner, garniert mit einem recht langen Zitat von Patrick Schiffer, der aus beruflichen Gründen gar nicht anwesend sein konnte. Erwähnung zumindest der Kandidatinnen? Fehlanzeige.

Das Presseteam der Piratenpartei ist selbstverständlich frei, zu tun, was es für richtig hält. Nichtsdestotrotz stehen gerade die Piraten für Gleichbehandlung aller Menschen. Ich habe den Bundesvorstand auch zu dem Thema angeschrieben. Antwort habe ich bis heute keine bekommen.

Ganz ehrlich: Ich bin sehr dafür, dass jeder Mensch seinen Lebensentwurf realisieren kann. Frauen, die MINT-Fächer studieren möchten, sollten das tun können, ebenso werde ich keine Frau der Welt davon abhalten, Dachdeckerin oder Friseurin zu werden. Und ich werde auch keiner Frau verbieten, zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich selbst um ihre Kinder zu kümmern. Jeder Lebensentwurf, der sozialverträglich ist, hat das Recht auf Verwirklichung und Menschen, die ihre Lebensentwürfe verwirklichen möchten, sollten auf jeden Fall gefördert werden.

Wenn Frauen sich in die Öffentlichkeit stellen, finde ich aber auch, dass sie ein Recht darauf haben, wahrgenommen zu werden und wenn sie das für eine politische Partei tun, erwarte ich von dem entsprechenden Presseteam eine Würdigung des Engagements. Dies auch und gerade, weil der Bundesvorsitzende, der dieses Presseteam leitet und innerhalb des Bundesvorstands für die Pressearbeit hauptverantwortlich ist, sich selbst als Feminist bezeichnet.

Ich bitte also sehr, in Zukunft davon Abstand zu nehmen, die Bundesparteitage mit Anträgen zu gendergerechter Sprache in der Satzung oder im Programm zu belästigen. Viel wichtiger als diese Feigenblattübungen, die sowieso niemand wahrnimmt, ist es, darauf zu achten, dass engagierte Frauen genau dieselbe Beachtung finden wie engagierte Männer.

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Hacer América grande

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Para empezar: El Sr. Trump constantemente habla de "América" como si los EE. UU. serían toda América. Bastante errado, Sr. Presidente, bastante errado. América es un contiente con un montón de países y "la otra América" no se limita al enojoso hermanito en el norte, con nombre de Cánada, donde algunos hablan un idioma medio curioso que no es inglés.

México, ese país Ud., Sr. Presidente, constantemente hace responsable para la ausencia inexistente del éxito glorioso de los EE. UU., se encuentra en América. También Belize (de donde viene esa linda caoba de la cual quizás algunos de sus lindos muebles están hechos), Costa Rica (de donde viene el café superriquísimo que Ud. quizás toma), El Salvador (de donde viene aún mas café riquísimo), El Salvador (otra vez con café riquísimo, gambas y oro, el tan maravillosamente lindo oro), Guatemala (y todavía mas café riquísimo y ron muy rico), Honduras (otra vez: café), Nicaragua (el lugar donde se consigue esos puros y cantidades considerables de cacao), Panamá (ellos son los tipos con ese canal de Panamá muy practico, sin el cual el flete maritimo podria convertirse muy, muy caro).

Y naturalmente también Brazil (no sólo café, pero tambien esas hermosas piedras preciosas y semipreciosas que se usa para hacer la joyería con la cual Ud. suel decorar su esposa), la República Dominicana, Cuba y Puerto Rico, que son lugares maravillosos para pasar las vacaciones y hay todos los otros países donde se obtiene recursos naturales para hacer la economía de los EE. UU. prosperarar. Y la economía de los EE. UU. está prosperando, le aseguro de esto.

América es mas grande que los EE. UU. Y los países en América dependen uno del otro. La economía Estadounidense será mucho mas pobre sin "la morodanga" y la mano de obra que obtniene para muy poco dinero de lo que aparentemente ve como su traspatio. Lamentablemente, los EE. UU. nunca realmente prestaron mucha atención a la gente que contribuyó a su riqueza. Personas, especialmente como Ud., Sr. Presidente, que tiene una tendencia de olvidarse de que su riqueza viene de esa parte del continente donde la gente es mucho, mucho mas pobre que el ciudadano normal de los EE. UU. Un hecho verdaderamente triste de que se debería hablar.

Así, Sr. Presidente, su responsabilidad no termina con la clase média de los EE. UU.; ni empieza ahí. Su tarea es hacer América grande otra vez, bien seguro. Pero se trata de toda América. No sólo un país. De hecho, es su responsabilidad de preocuparse de Rosita, la niñera que cuida a la casa y los nenes de algún tipo rico quien es demasiado avaro para pagar und salario decente para un trabajo decente y por eso usa mano de obra ilegal de detrás ese muro Ud. quiere construir.

Su tarea es ayudar a esos otros países a construir un hogar confortable para todos que viven ahí - mientras que Ud. se encarga de los ciudadanos de los EE. UU. You tarea es dar el mismo valor a cada una persona sin dar importancia a su procedencia. Eso se llama derechos humanos, Sr. Presidente. Y eso es algo cada una persona tiene sí o sí.

Lo que Ud. está tratando es construir la autoestima de lo que Ud. percibe como la mayoría humillando y disminuyendo otros. Yo soy de este país de donde vinieron sus antecesores, ese país que no sólo empezó una guerra mundial, sino también echó la culpa para la miseria en que el país estuvo en aquél entonces a un grupo determinado de la población y trató de exterminar ese grupo. Yo aprendí. Yo escuché a mis padres y mis abuelas (abuelos no tuve, adivine porqué será eso). Yo y la mayoría de los otros alemanes sabemos, realmente sabemos como empiezan estas cosas. Nosotros sí sabemos que es lo que sale de ese tipo de agitación. Realmente sabemos. Por eso, recomiendo: No haga eso. Simplemente no. Nunca, jamás trate de hacer su país grande a expensas de otros. Eso recaerá sobre Ud. y sobre los ciudadanos de su país - y será mal, realmente mal.

Por todo eso, le propongo que piense, escuche y aprenda muy, muy rapidamente así que en el fin de sus cuatro años Ud. puede decir que realmente hizo América grande otra vez.

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Make America Great Again

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First of all: Mr Trump keeps talking about "America" as if the USA were all of America. Quite wrong, Mr President, quite, quite wrong. America is a continent with a whole bunch of countries and "the other America" is not limited to that pesky little brother in the north, named Canada, where some people speak some funny language other than English.

Mexico, the country you, Mr President, keep blaming for the nonexistent absence of glorious US success, is located in America. So are Belize (where the beautiful, beautiful mahogany your furniture, that might be made of, comes from), Costa Rica (where your yummy coffee comes from), El Salvador (where you get more yummy coffee, shrimps and gold, such beautiful gold), Guatemala (where even more yummy coffee and very nice rum come from), Honduras (again: yummy coffee), Nicaragua (the place you get those fine cigars and quite some cocoa from), Panama (those are the guys with that very practical Panama Canal, without which sea freight might get very, very expensive).

And of course Brazil (not only coffee but also beautiful, oh so beautiful precious and semi-precious stones that are used to make the beautiful jewelry you decorate your wives with), the Dominican Republic, Cuba and Puerto Rico, which are marvellous places for vacation, and there's all the other countries where you get natural resources to get your economy booming. And it is booming, rest assured.

America is bigger than the United States. And the countries there depend on each other. The US economy will be a lot poorer without the "stuff" and the manpower they get for very little money out of what they regard as something like their backyard. Sadly, the US never really cared about the people that contributed to their wealth. People, especially people like you, Mr President, tend to forget that they get their wealth from that part of the continent where people generally are far, far poorer than the average US American citizen. A shame, indeed, that should be talked about.

So, Mr President, your responsibility does not end with the US American middle class; it does not even start there. Your job is making America great again, quite sure. But all of America. Not only one country. It is, indeed, your responsibility to take care of Rosita, the nanny that takes care of the home and kids of some rich guy who is too mean to pay a decent salary for a decent job and therefore uses illegal labour from behind that wall you are going to build.

Your job is to help the other countries make a home for their citizens that is comfortable enough for everybody while you take care of the US citizens. Your job is to give each and every person wherever they come from exactly the same value. This is called human rights, Mr President. And this is something each and every person does have.

What you are trying to do is to build up the self-esteem of what you perceive as the majority by humiliating and diminishing others. I am from that country that your ancestors came from, that country that started not only a worldwide war, but also blamed a whole population group for the misery of the country and tried to make these people extinct. I learned. I listend to my parents and my grandmothers (didn't have a grandfather, guess why). I and most of the other Germans know, really do know how such things begin. We do know what comes out of turning groups against each other. We really do. I recommend: Don't. Simply don't do that. Do not, not ever, make yourself and your country great at the expense of others. It will fall back on you and the citizens of your country - and it is going to be bad, really bad.

So I suggest you think twice, listen and learn really, really fast so that at the end of your four years you can say that you really made America great again.

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Tichys Hexenjagd

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Veröffentlicht unter: mob, tichy, xing
"Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung"
Antoine De Saint-Exupéry

Roland Tichy vertritt auf seinem Blog erzkonservative Ansichten. Das darf er tun, denn:

Der Artikel 5 im Grundgesetz besagt:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Auch die Grenzen sind klar definiert:
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Ich kann mich Herrn Tichy und seinen Mitautoren meistenteils nicht anschließen, lese dort aber trotzdem, allein schon, um die Ansichten zu kennen, die da vertreten werden. Was du kennst, kannst du widerlegen.

Dieses Mal war es die Meinung eines Gastautors, welche nicht die Zustimmung einiger Neulandbewohner fand und Auswirkungen hatte, die sie sich so möglicherweise nicht vorgestellt hatten. Es stellt sich die Frage, ob es das nächste Mal vielleicht meine Meinung oder vielleicht euere ist, die zu so einer Online-Jagd mit all ihren Konsequenzen, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, führt. Überlegt ein wenig und beachtet dabei die "Schere im Kopf", die dazu führt, dass man seine Meinung lieber für sich behält, bevor man verbale Tritte ins Gesäß erntet.

Die Erklärung von Herrn Tichy ist, dass er auf den beanstandeten Artikel erst durch den Shitstorm, der daraufhin losbrach, aufmerksam geworden ist. Er hat ihn daraufhin sofort gelöscht und sich für die Veröffentlichung entschuldigt. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein.

Aber er war ja auch noch der Herausgeber der XING-Newsseiten. Die engagierten Menschen in den sozialen Netzwerken sahen hier die Möglichkeit, einfach, schnell und unbürokratisch vom heimischen Sofa aus "was gegen Rechts" zu tun. Und das haben sie gründlich getan. Der Druck, der da nicht nur auf Tichy selbst ausgeübt wurde, sondern auch auf XING, mit Kündigungen von Premiummitgliedschaften, mit Accountlöschungen und mit teils wahrhaft unterirdischen Beschimpfungen ist mir, auch wenn ich das nicht kommentiert habe, nicht entgangen. Mit einem Male ist ein ganzes Unternehmen in den Augen des wütenden Lynchmobs einfach nur noch Abschaum.

Wer muss schon nach dem Autor des Gastartikels fragen? Und was geht es die sozialen Medienkonsumenten an, dass der Text gelöscht wurde? Ha, den kann man notfalls ja republizieren, das Internet vergißt nichts. NICHTS! Es ist wahrhaftig nicht das erste Mal, dass mir so etwas vor die Augen kommt.

Das mit dem Hinterfragen haben sich sowieso sehr viele Leute in diesem Neuland einfach abgewöhnt. Egal, wo sie politisch stehen: Sobald einer der Meinungsführer das Verbrechen wider seine Regeln erkennt und aufschreit, rennt der Mob hinterher. Wenn dann einer, den man blöd findet*, verstummt, weil er Morddrohungen bekam, dann lachen sie laut und hämisch auf - egal, ob dieser Mob nun links oder rechts angesiedelt ist.

Mich kotzt das alles einfach nur an. Es kotzt mich an, dass Menschen, die von "linksgrünversifften Wasauchimmer" herumschwallen, fürchten müssen um ihren Arbeitsplatz, ihre Gesundheit, ihr Leben und das ihrer Familien.

Es kotzt mich an, dass Menschen, die Frau Merkel für "wir schaffen das" einfach dankbar sind, die Erbarmen haben mit denen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten, die Flüchtlinge willkommen heißen und versuchen, ihnen so gut es geht zu helfen, wo der Staat im Moment einfach versagt, mit Verachtung gestraft werden und ebenfalls mit Repressalien, Arbeitsplatzverlust, Schaden an Leib und Leben bedroht werden.

Was für eine verfluchte Welt ist das eigentlich, in der ich da leben muss? Was für eine Menschenverachtung herrscht hier insgesamt, dass über jeden, der eine Meinung äußert, sofort hergefallen wird?

Was für eine Gesellschaft ist es, in der Meryl Streep für ihre klare, deutliche Ansage anläßlich der Golden Globes gelobt wird - und der, der sie lobt, sofort mit "ja, aber als Obama diesen Krieg führte, dieser Friedensnobelpreisträger, da hat sie nichts gesagt!" abgekanzelt wird?

Ich habe das Gefühl, ich lebe in einem grausamen, unbarmherzigen Albtraum. Und er wird täglich schlimmer. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob ich in so einer Gesellschaft überhaupt noch fähig bin, politisch zu arbeiten. Und ich fange an, den Sinn zu bezweifeln, den diese Arbeit hat.

* eventuell sogar zurecht, aber selbst Leute, die man blöd findet, dürfen sagen, was sie denken ohne Angst vor Verfolgung oder Restriktionen, siehe oben.

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Tag der blauen Mützen

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Veröffentlicht unter: barrierefreiheit, webstandards

Barrierefreiheit: Alle wollen sie, bis sie merken, dass das tatsächlich Anstrengung kostet. Dabei ist die Hauptanstrengung das Ausbrechen aus den eigenen Denkgewohnheiten, was eigentlich die Gehirnwindungen geschmeidig hält und den Blick offen. Nachdem der Mensch aber ein Gewohnheitstier ist, gestaltet sich das manchmal schwierig.

Deswegen und weil ich leider keine blaue Mütze habe, schreibe ich heute einige Grundsätzlichkeiten auf, die das Beachten von Barrierefreiheit im Online-Redaktionsalltag ein wenig leichter machen:

Damit sich alle ein Bild machen können

Menschen, die mit einem Monitor nichts anfangen können, weil sie nichts sehen, nutzen üblicherweise Screenreader und Braillezeilen, um die Inhalte der Webseiten aufnehmen zu können. Um ihnen die Nutzung zu erleichtern, achtet man am Besten darauf, dass alle Überschriften auch als solche im HTML Ihrer Seiten gekennzeichnet sind; im WYSIWYG-Editor gibt es dafür sehr oft ein Dropdown-Feld. Für die, die am Monitor Texte querlesen, macht es natürlich keinen Unterschied, ob für die Überschrift der Text einfach etwas größer und fett gesetzt ist - sie können das sehen und so anhand des etwas größeren, fetten Texts die einzelnen Abschnitte einordnen.

Blinde Menschen sind aber darauf angewiesen, dass ihre Wiedergabegeräte die Überschriften erkennen können. Einfach nur größer und fett wird als Teil des Texts wahrgenommen. Das führt dazu, dass man sich eventuell durch einen Wust an unnützem Text quälen muss und nicht bequem von Überschrift zu Überschrift springen kann.

Wenn der Text mit Fotos oder Grafiken illustriert wird, dann sollte das Bild über einen Alternativtext beschrieben werden. Sind Abbildungen für das Verstehen des Inhalts essenziell, dann dürfen diese durchaus ausführlicher und detaillierter ausfallen, z.B. bei Diagrammen. Warum nicht in einem Fließtext zumindest die wichtigsten Daten eines Diagramms präsentieren?

Damit sehbehinderte Menschen Texte gut lesen können sind ausreichende Kontraste wichtig. Aber nicht nur sehbehinderte Menschen profitieren davon. Jeder kann von stärkeren Kontrasten profitieren, beispielsweise bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

Videos sollten ebenfalls eine Beschreibung des Inhalts, die die Audiospur ergänzt, dazubekommen. Für Gehörlose ist eine Untertitelung hilfreich; eine Übersetzung in Gebärdensprache ist natürlich wunderbar - das kann aber wahrlich nicht jeder Anbieter leisten. Je wichtiger der allgemeine Transport der Inhalte ist, desto sorgfältiger sollte man hier arbeiten. Die schönste Werbung nützt nichts, wenn sie unverständlich ist.

Damit alle gut durchkommen

Menschen mit motorischen Einschränkungen haben es oft schwer, mit einer Maus zu hantieren; auch Tastaturen können hier Hindernisse darstellen, auch wenn es sehr viele gibt, die auf solche Einschränkungen Rücksicht nehmen. Deswegen sollte darauf geachtet werden, dass das Ansteuern von Links und Bedienelementen auch mit der Tabulatortaste möglich ist. Dazu sollte die Hervorhebung anklickbarer Elemente nicht unterdrücket werden, denn diese zeigt dem mauslosen Nutzer, an welcher Stelle er sich gerade mit der Tabulatortaste befindet.

Insgesamt: Barrierefreies Design ist genauso einfach oder schwierig wie ein Design, das nicht auf Barrierefreiheit achtet. Man muss vielleicht ein wenig umdenken und einiges schlicht anders lösen, als Sie es bisher taten.

Nichtsdestoweniger lohnt es sich, zu lernen, wie man von vornherein an alle denkt. Je mehr Übung man hat, desto weniger nimmt man überhaupt wahr, dass man barrierefrei arbeitet. Barrierefreiheit ist ein Webstandard und meint: One web for all. Dies ist die vielleicht wichtigste Botschaft des Blue Beanie Day.

Probieren Sie's aus - es macht Spaß, nützt Ihren Besuchern und ist gleichzeitig ein wenig Gehirnjogging.

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Innerparteiliche Transparenz, BEO und SMV

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Veröffentlicht unter: beo, piraten, smv, transparenz

Am 26.10.2016 habe ich den Bundesvorsitzenden der Piratenpartei Deutschland angeschrieben wegen einiger seiner Äußerungen zum Thema innerparteiliche Partizipation. Zugesagt hatte er mir die Antwort bis zum 1.11.2016. Nachdem bisher leider nichts bei mir eingetroffen ist, mache ich aus dem persönlichen Anschreiben einen offenen Brief. Ich hoffe sehr, damit eine innerparteiliche Diskussion anzustoßen, die seit längerem fällig ist. Hier der Brief, die Zitate sind wörtliche Mitschriften aus der Aufzeichnung der Bundesvorstandssprechstunde vom 3.10.:

Lieber Pakki,

am 3.10. hast du dich im Rahmen der Bundesvorstandssprechstunde wie folgt geäußert:

"Ich habe Kontakt aufgenommen zu einigen Akteuren auf Bundesebene, die mit dem Thema Liquid Feedback und auch SMV arbeiten, darunter sind auch Player, die mal Mitglieder der Partei waren, die sich jetzt im NGO-Bereich tummeln und an einer Neuentwicklung arbeiten von Liquid Feedback, weil alle, die irgendwo mal ernsthaft mit Liquid Feedback zusammengearbeitet haben oder mit der Software gearbeitet haben, sind der Meinung, dass das Tool sehr viel technischen Overhead hat und sehr viel umständlich ist zu administrieren. Das heißt, was das angeht, bin ich auf jeden Fall in der Weiterentwicklung dran, ich bin auch mit einigen Landesverbänden und auch dem Bundesdatenschutzbeauftragten in Kontakt und wir versuchen da erstmal, diese Landesebene weiter nach vorne zu bringen."

Und weiter:

"Ich erwarte nicht, dass wir auf Bundesebene jetzt, zum nächsten Parteitag schon den Satzungsänderungsantrag für eine SMV haben werden, dafür ist es noch verfrüht, aber, ich sag mal so, ich fange spätestens, wenn die erste oder die zweite SMV in den Landesverbänden läuft, damit an, diese Satzungsänderungsanträge vorzubereiten, ich bin auch schon in der Planung für eine erneute SMV, eine sogenannte SMV-Con mit ein paar Leuten, die wird voraussichtlich irgendwann im Januar stattfinden, es gibt auch Bewegung außerhalb der Piratenpartei, die sehr viel, ja, wie sagt man, sehr viel Hoffnung in die Piratenpartei setzt, weil sie denken, wir sind die einzige Partei, die das überhaupt, die überhaupt dazu in der Lage ist, sowas anzusetzen und sowas umzusetzen, insofern bleibt es spannend und glaub mir, ich bin wie so ein kleiner Wadenbeißer, wenn ich ein Thema hab, in das ich irgendwie verliebt bin, dann lass ich da nicht locker. Und wenn ihr mir da irgendwie querschießt und sagt irgendwie, wir wollen das nicht, dann macht euch schon mal auf böse Wunden in eueren Unterschenkeln gefasst."

Beim Nachlesen Deines Wortbeitrages fällt dir vielleicht auf, dass der zweite Teil wie eine Drohkulisse wirkt.

Ich denke, nach der oben genannten Sprechstunde ist uns allen klar, dass dir vor allem daran liegt, das Thema Onlinepartizipation voranzutreiben und der Partei möglichst bald ein funktionierendes System zur Verfügung zu stellen. Dazu habe ich (und viele andere Piraten sicher auch) Fragen. Vorneweg, damit du mich nicht falsch verstehst: Ich habe nichts dagegen, wenn du dich in das Thema Liquid Feedback hängst; du brauchst mir also keinerlei Warum und Wieso zu erklären - Was ich brauche, sind klare, belastbare Aussagen.

Und los geht's:

  1. Inwieweit waren deine Vorstandskollegen über deine Aktivitäten bezüglich SMV und Liquid Feedback informiert?
  2. Wer sind die Akteure auf Bundesebene, die du kontaktiert hast? Inwieweit arbeiten sie mit dem Thema Liquid Feedback und SMV?
  3. Wer sind die ehemaligen Mitglieder der Partei und in welchen NGOs tummeln sie sich?
  4. Ist dir bewußt, dass Sachsen die SMV inzwischen aus der Satzung gestrichen hat? Mit wem bist du im LV Sachsen bezüglich der SMV im Kontakt?
  5. Darf ich aus deinen weiteren Ausführungen schließen, dass du den BEO maximal als eine Art Brückentechnologie verstehst, die abgeschafft werden soll, sobald SMV/Liquid Feedback "Bundesreife" erreicht haben?
  6. Wer wird an der SMV-Con teilnehmen? Wird es dazu rechtzeitig vorher eine entsprechende Bekanntmachung geben?
  7. Das Herzstück von Liquid Feedback war das Delegationssystem - das war es ja auch, was diesem Tool seinen Namen gab; also das Herunterfließen von Delegationen über mehrere Teilnehmer. Ist die Systematik in Liquid Feedback immer noch die, dass Delegationen über mehrere Teilnehmer hinweg durchgereicht werden können?
  8. Gibt es zumindest die Folien von deinem Vortrag auf dem E-Vote-ID 2016? Eine Aufzeichnung wäre natürlich grandios, ich würde mir das gern ansehen.
  9. Nachdem das mit der Sprechstunde am 24.10. ja offensichtlich nicht geklappt hat: Wann dürfen wir denn mit deinem Bericht über den Kongress rechnen? Ich persönlich wäre hoch begeistert über eine schriftliche Zusammenfassung im Vorstandsportal.

Insgesamt ist mir außerordentlich wichtig, dass du Transparenz herstellst. Gerade das Thema Liquid Feedback ist außerordentlich heikel, weil vermittels dieses Tools vielen Menschen in der Piratenpartei übelst mitgespielt wurde. Wenn du also Liquid Feedback wieder in den Einsatz auf Bundesebene bringen möchtest, ist es essentiell, dass alle Piraten wissen:

Wenn du vorhast, die Satzung dahingehend zu ändern, dass auf lange Sicht eine SMV mit Liquid Feedback auf Bundesebene eingeführt werden soll, sollte die Erarbeitung der Satzungsänderungsanträge so öffentlich wie irgend möglich stattfinden. Schon zum jetzigen Zeitpunkt hast du das Problem, dass sich einige Leute gewaltig überfahren fühlen und fürchten, dass die Zustände wiederhergestellt werden könnten, die vor dem aBPT herrschten.

Bitte beantworte mir meine Fragen klar, deutlich und leicht verständlich; zum Einen,um Missverständnisse zu vermeiden und zum Anderen,damit bereits jetzt mit der Herstellung von Transparenz in dieser sicher nicht unbelasteten Angelegenheit begonnen werden kann. Es erleichtert vieles, wenn man auf Zitate/Antworten verweisen kann,die schriftlich vorliegen -das lässt am wenigsten Raum für Spekulationen.

Dir vielen Dank.

5 comments

Transparenz

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: ceta, piraten, tisa, transparenz, ttip

Die derzeit plakativsten Beispiele für einen Mangel an Transparenz sind wohl die Verhandlungen zu TTIP, CETA und TiSA. Die Verträge wurden und werden hinter verschlossenen Türen verhandelt. Das ist im Grunde nicht weiter schlimm, denn nicht jeder, der etwas ausarbeitet, möchte seine unausgegorenen Ideen ungefiltert in die Welt hinausblasen. Von daher habe ich gegen verschlossene Türen an dieser Stelle noch nicht viel einzuwenden.

Allerdings müssen sich diese Türen öffnen, sobald konkrete (Zwischen-)Ergebnisse erzielt werden. Solche Verträge - ebenso wie beispielsweise Gesetze - werden ja nicht in einem Rutsch erarbeitet, das wäre viel zu umfangreich. Es ist also davon auszugehen, dass es Verhandlungsetappen gibt und dass diese Etappen Ergebnisse zeitigen. Die gilt es zu präsentieren.

Das wäre für diese Verträge schon insofern wichtig als sie eben wirklich sehr umfangreich sind und das Studium der fertigen Verträge wohl einige Wochen in Anspruch nähme - wenn man in der Zeit nichts anderes tut und mindestens drei Anwälte zur Verfügung hat, die fit sind in internationalem Vertragsrecht. Und wenn man alle Unterlagen einsehen darf, sich Kopien und Notizen machen kann. Das war bei diesen Verträgen nicht der Fall. Ein abgeschlossener Raum, kein Handy, kein Notizblock und auch nicht alle Dokumente - so konnten sich unsere Vertreter informieren.

Deshalb gehe ich davon aus, dass beispielsweise Herr Gabriel, der ja CETA so intensiv bewirbt, keinen Schimmer hat, was in diesem Vertrag eigentlich steht; dasselbe gilt für Herrn Trudeau. Und das geht gar nicht. Unsere Volksvertreter werden gewählt, um uns zu vertreten, um in unserem Namen zu handeln. Einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Inhalt sie selbst noch nicht einmal genau kennen, ist fahrlässig und von daher abzulehnen. Dass die Bevölkerung keinen Zugang zu diesen Verträgen erhält, bevor sie unterschrieben sind, halte ich für skandalös.

Und so passiert, was passieren muss: Es kommen immer wieder Meldungen über den Inhalt der Verträge oder über den Verhandlungsstand, die teilweise doch sehr besorgniserregend klingen. Das irritiert berechtigterweise die Menschen, über deren Alltag, Arbeitsleben und Konsummöglichkeiten da Entscheidungen ohne ihr Wissen und über ihren Kopf hinweg getroffen werden und führt letztlich zur Ablehnung des gesamten Vorhabens.

Anhand von CETA hätte man hier wirklich lernen können. Schrittweise verhandeln, Verhandlungsstände veröffentlichen, auf Augenhöhe mit den Menschen arbeiten, Meinungen und Anregungen aus der Bevölkerung einholen - das wäre der wünschenswerte Weg gewesen. Die Bevölkerung genauso mit einbeziehen wie die Unternehmen, die - so der aktuelle Informationsstand - wohl am Meisten von diesen Verträgen profitieren, müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Wie gesagt, das Beispiel ist plakativ. Viel zu oft passiert es, dass Orts- oder Stadträte, Landesregierungen oder auch die Bundesregierung durchaus Rat einholen - aber eben nur von denen, die angeblich Experten auf einem bestimmten Gebiet sind, weil sie aus der jeweiligen Lobbyvertretung kommen und selbstverständlich die Interessen der Unternehmen und Verbände vertreten, von denen sie für ihre Arbeit bezahlt werden.

Auf diese Weise wird dann volle Knäcke an den Menschen vorbeiregiert. Transparenz würde hier auch wirklich das Ablegen von Rechenschaft bedeuten, die Mitteilung "ich habe mit diesen Vertretern eines Industriezweigs gesprochen und dabei wurde folgendes Ergebnis erzielt". Würden tatsächlich die Interessen des ach so sehr umworbenen Wählers, auf dessen Stimme man ja angewiesen ist, angehört und in Betracht gezogen, wären uns wohl sowohl Riester-Rente als auch Hartz IV erspart geblieben.

Die Parlamente sind voll mit Lobbyisten, Menschen, die die Interessen von Unternehmen und Verbänden vertreten. Wer keine Lobby hat, läuft Gefahr, nicht wahrgenommen zu werden. Wer eine übermächtige Lobby hat, hat gute Chancen, überproportional wahrgenommen zu werden. Ein für alle einsehbares Lobbyregister würde hier Abhilfe schaffen. Es würde auch sehr helfen, wenn die Bürger sich darüber informieren könnten, welche Politiker mit welchen Lobbyvertretern verhandeln. In Deutschland ist das ein Traum, der weit, weit von einer Erfüllung entfernt ist.

Ich wäre froh, wenn "der Bürger" endlich nicht mehr der Feind der Politik wäre, sondern der Partner. Wir, die Bürger, sind es doch, für die der politische Aufwand überhaupt getrieben wird. Es geht um das Wohlergehen aller Menschen, nicht etwa nur um den Profit von Wenigen.

Also, liebe Politiker: Denken Sie doch bitte mal scharf nach und kommen Sie auf Augenhöhe mit uns. Glauben Sie mir: Es ist nicht schlimm - und es kann verdammt interessant werden!

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Danke!

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: dank, landesvorstand, piraten

Liebe Nikki,
lieber Max,
lieber Klaus,
liebe Dorle,
lieber Thomas,
lieber Olaf,
lieber David,

Ihr habt über einen langen Zeitraum den Landesverband Bayern als Vorstand begleitet. Ihr habt geackert und geschuftet, damit dieser Landesverband präsent ist und präsent bleibt, damit wir zahlungsfähig bleiben, damit die Verwaltung stimmt und dem Datenschutz Genüge getan sei, damit alle Piraten sorglos vor sich hin arbeiten können, damit wir in Bayern das wenige, was wir bewegen können, auch bewegen.

Das war hartes Brot, viel Arbeit, Nächte, die ihr euch um die Ohren geschlagen habt, Geld, das ihr investiert habt - und der Dank war viel zu selten und viel zu zaghaft. Wie sagt der Franke immer so nett? "Ned g'schimpft is aa g'lobt!".

Dafür waren die, die euch kritisiert haben und euch das Leben schwer gemacht haben viel zu laut und viel zu sichtbar. Wir, die Basis (und ja, selbst als Bundesvorstandsmitglied war ich in Bayern Basis!) haben kein Mittel gefunden, euch dabei zu unterstützen, diese anstrengenden, lauten, motzenden, maulenden, missgünstigen Menschen zumindest ein wenig auf Abstand zu halten. Das tut mir persönlich sehr leid.

Es waren anstrengende Jahre und ihr habt euch eine Pause verdient. Ich hoffe jedenfalls, dass es nur eine Pause wird (wenn wir mal von Thomas absehen ;oD). Ruht euch aus und kommt frisch wieder, bitte! Vielleicht nicht als Vorstand, aber doch als diejenigen, die helfen, das Beste zu zeigen, was diese Partei zu bieten hat: Ihren Enthusiasmus, ihre Ziele, ihre Diskussionsfreude - ihre Politik.

Danke euch für die wirklich viele Arbeit, die ihr geleistet habt. Ihr seid wirklich, ehrlich großartig!

Dankeschön
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