Pornographie

veröffentlicht von Esmeralda, 13 Kommentare
Antworten auf meines Sohnes Fragen zur Pornographie

Mein großer Sohn ist ja nun inzwischen 14 und somit voll im pubertären Geschehen. Ein Interesse an dem, was zwischen Männern und Frauen so abgeht ist somit zu erwarten - ebenso wie die Tatsache, dass er auf eigene Faust forschen geht und nicht unbedingt Mami und Papi fragt. Für "Forschungsreisen" hat er einen Rechner und den dazugehörigen Internetantschluß, zur Beruhigung haben wir ein Programm auf diesem Rechner installiert, das uns täglich eine Mail mit den vom Großen angesurften Orten im weltweiten Datenwirrwarr schickt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Und so bekamen wir vorgestern eine Mail, in der so diverse URLs aufgelistet waren, unter denen man sich Bildchen von spärlich bis gar nicht bekleideten Damen in lasziver (und wahrscheinlich extrem ungemütlicher) Haltung ansehen konnte. Sagt mein Mann: "Guck' dir das mal an" und grinst. Ich gucke und grinse auch, denn es war ja wirklich nur eine Frage der Zeit gewesen. Erzieherische Maßnahmen hielten wir beide für angebracht, und also folgte der Ruf: "Großer, kommst du mal eben her?"

Der Große ist ein braves Kind und sprang auch flugs herbei. Mein Mann zeigte ihm die Mail und klickte einen der Links an, woraufhin der hoffnungsvolle Jüngling erstmal rosa Ohren bekam, verlegen grinste und fragte, wie wir das denn wieder 'rausbekommen hätten. Wir haben's ihm erklärt (nicht sehr detailliert, der Kerl ist plietsch und wir haben keine Lust, alle naslang neue "Netzbabysitter" zu suchen) und ihm dann gesagt, dass wir gerne möchten, dass er von solchen Seiten Abstand hält, weil dieses laszive Geaale ihm unserer Ansicht nach ein falsches Frauenbild vermittelt. Das hat er erstmal so akzeptiert und sich von da an für den Rest des Abends mit Horst-Schlämmer-Videos amüsiert.

Heute nun bin ich mit dem Großen in die Stadt gefahren und auf dem Weg zum Bahnhof fragte er mich, warum denn solche Pornobildchen ein falsches Frauenbild vermittelten. "Ja nun," sag' ich, "was siehst du denn auf diesen Bildern?" - "Na, nackte Frauen, eben," ist seine Antwort. "Richtig," sage ich nun wieder, "nackte Frauen, die irgendwo rumlümmeln und darauf warten, dass ein Mann auf sie draufspringt und sie berammelt". "Ja, ist doch nix schlimmes bei, oder?" "Ach, Großer! Sag' mal, wie lernst du denn beispielsweise deine Englisch-Vokabeln?" Er guckt leicht entgeistert, meint dann aber "naja, ich lese sie durch, und dann frag' ich mich selber immer wieder ab, bis ich's kann". "Richtig. Und wenn du's kannst, dann weisst du auch, was die englischen Wörter auf Deutsch bedeuten und umgekehrt, du brauchst dafür nicht mehr nachzudenken, oder?" "Öhm... jaaa..." "Siehst du, genauso ist das mit den Pornobildchen. Du bist noch sehr jung und hast keine Ahnung, was da so zwischen Frauen und Männern abgeht. Aber du guckst dir diese Bildchen an. Wenn du das lange genug tust, denkst du nicht mehr darüber nach und dann meinst du, eine Frau wäre ein Ding, auf das man sich draufschmeisst und losrammelt. Wenn Papa und ich das zuließen, hättest du es ziemlich schwer, zu begreifen, dass einerseits Frauen keine Dinger sind und andererseits Drauflosrammeln nicht unbedingt etwas mit Liebe, Zuneigung und Zusammengehörigkeitsgefühl zu tun haben. Eventuell würdest du's gar nicht lernen und dann entginge dir sehr viel Schönes."

Und man sollte es nicht glauben: Das hat er verstanden und verinnerlicht. Ich glaube nicht, dass wir ihm irgendwelche komischen Pornoseiten zu sperren brauchen. Hach, ist das schön, wenn die Kinder nicht nur Verstand haben, sondern ihn auch benutzen!

Kommentare

Chico

schrieb am

Liebe Stonie,

zuerst muss ich sagen das du orlando recht wenn er sagt, dass du das Vertrrauen zu deinem sohn gebrochen hast! Auf schreckliche weise wie ich finde. Wenn meine Eltern das mit mir machen würden, würde ich im boden versinken!Andererseits, hast du auch recht wenn du sagst, dass das frauenbild auf eine unschöne weise verändert wird!

Allerdings muss ich sagen, das nich jeder junge mann, der pornographische bilder oder videos ansieht, auf kurz oder lang, ein frauenfeind, bzw sexist wird! Ich besuche selbst gelegentlich solche seiten, bin aber kein sexist!und meine eltern ham mir keinen trojaner auf den hals geschickt! Manche dinge gehören zum erwachsen werden dazu...deine generation, hat sich verbotener weise die bravo gekauft und meine generation besucht verbotener weise sex seiten! nur dass du die möglichkeit hast deinen spross zu überwachen!

Orlando

schrieb am

Der Einzeiler war das in einen eben solchen destillierte Empfinden des Betroffenen, beruhend auf einer falschen Annahme, die du ja ausgeräumt hast. Unterstellt habe ich dir nichts, lediglich die zu Beginn vorhandenen – im mir wesentlichen Punkt unvollständigen – Informationen interpretiert.

Um von dieser Wortklauberei wegzukommen: Das verantwortungsvolle Handeln benötigt den entsprechenden Freiraum. Bei zu viel Kontrolle wird einem die Entscheidung ob der Richtigkeit des eigenen Handelns stets abgenommen. Irgendwann wird aber niemand mehr da sein, der einem wichtige Entscheidungen aus der Hand nimmt. Natürlich ist das alles eine Frage des Alters und der Dosierung. Ich kenne sowohl extrem behütete und kontrollierte Doppelnamen-Kinder, die in der weiten Welt kaum zurechtkommen als auch antiautoritär (lies: allein gelassene) Kevinismus-Kinder, die sich immer noch ständig die Birne anhauen. Medienkompetenz ist in der Informationsgesellschaft unabdingbar, ob sich diese jedoch bei Pornographie unbedingt mit elterlicher Hilfe entwickeln muss, da bin ich mir gar nicht so sicher. Schließlich ist pr0n die Kernkompetenz des WWW.

Ich bin ebenfalls nicht nachtragend. Viel lieber vorwerfend. ;-)

Zum P. S.: Vielleicht bin ich nächstes Jahr wieder dabei. Heuer habe ich irnkwie keine rechte Lust.

Stonie

schrieb am

Hallo Orlando,

Meine Sprachgewalt muss ich in deinem Blog eigentlich nicht ausleben. Ich weiß, das beruht auf Gegenseitigkeit und bitte um Verzeihung für gelegentliche Ausrutscher. Siehe Motto.

Gewährt, na klar. Just for the record eine Anmerkung: Diese "g'schmackige Überspitzung" ist das eine, deine Kritk daran, das Kind vorher (eventuell) nicht informiert zu haben, das andere. Und dass du mir - überspitzt oder nicht - zutrauen könntest, mit meinem Kind so umzugehen, hat mich schon gewaltig geärgert (das hat man dann ja auch gesehen).

Aber jetzt ist ja wieder alles gut, zumindest hier. :o)

P. S.: Sag' mal, habe ich da was übersehen oder hast du am letzten Augustwochenende wirklich was anderes vor?

Stonie

schrieb am

Lieber Orlando,

Ich habe jetzt meinen Mann, der für die Rechner in unserem Haus zuständig ist und für die Kinder lange Zeit hauptsächlich zuständig war, gefragt: Er hatte den Kindern sehr wohl erzählt, was auf ihren Rechnern installiert ist.[1] Das mal vorneweg.

»Sag mal, erregen dich tatsächlich dicke Mädchen mit Silberblick?«

Ach, wäre das deine Herangehensweise? Dann kann ich natürlich verstehen, wenn du derart empfindlich reagierst. Unsere Art mit unseren Kindern zu sprechen sieht deutlich anders aus. Und, ganz ehrlich: Jetzt werde ich langsam wieder "humorlos". Es ist eine satte Unverschämtheit von dir, mir und meinem Mann solches zu unterstellen. In Zukunft nimmst du vielleicht besser nicht an, sondern fragst, bevor du deine Mitmenschen auf derart üble Weise aburteilst.

Im Übrigen finde ich es ja hoch bemerkenswert, dass du, der du mein Kind noch nie gesehen und noch nie gesprochen hast, du kennst den Jungen überhaupt nicht und weisst vermutlich noch nicht einmal, wie er heisst, aber du weisst, wie es ihm geht, du kennst seine Empfindungen, du weisst, dass er sich in "Schadensbegrenzung übt" und eben überhaupt nicht mit dem, was seine Eltern tun, zurechtkommt. In diesen deinen Äußerungen steckt eine Arroganz, die ich ausgerechnet von dir, Mr. Tolerance, nicht erwartet hätte.

Man merke auf: Sicher ist es jederzeit erlaubt, zu kritisieren, was wir aus elterlichem Verantwortungsgefühl heraus tun. Wäre es das nicht, könnte ich mir das Blog sparen. Kritik bedeutet aber nicht, sich in schönster Großartigkeit hinzustellen und den großen, allwissenden Nanabanana zu geben. Kritik bedeutet, die Punkte anzusprechen, über die man anders denkt als der Kritisierte und Alternativen aufzuzeigen - und dem Kritisierten dabei noch so viel Raum zu lassen, dass er sich bei dieser Diskussion wohlfühlt. Da sehe ich, ehrlich gesagt, in deinen beiden an mich gerichteten Kommentaren nicht viel verwertbares.

Ich besitze übrigens keine Schubladen und propagiere Denk-, Rede- und Surffreiheit.

Träum' weiter.

Aber es ist doch schön, dass ich jetzt wenigstens weiss, wen ich fragen kann, wie es meinem Kind geht. Weisst du über den Kleinen auch so gut Bescheid?

[1]Als ich die beiden anderen Antworten schrieb, war er nicht greifbar, deswegen konnte ich's nicht sicher sagen.

Orlando

schrieb am

Mir ging es nicht primär um die sicher überlegenswerte Heranführung an die Gefahren des Internets oder gar die Filterung von Inhalten, unabwendbare Unzulänglichkeiten eingeschlossen. Was mich entsetzt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der hier die Privatsphäre verletzt wird, die ich aus dem Umstand ablese, dass der Jüngling eben nicht vorab informiert wurde. Worin wäre das Problem gelegen, ihm mitzuteilen, dass Logfiles generiert werden, die jederzeit auswertbar wären, hätte man kein Vertrauen?

Verantwortlich zu handeln lässt sich meines Erachtens nicht über Sanktionen erzwingen, das erlernt man ganz im Gegenteil über Anerkennung und das Zugeständnis von Freiheit, also Macht, die man hat bewusst nicht auszuüben. Und eine Sanktion war das nachfolgende Gespräch in meinen Augen durchaus …

»Sag mal, erregen dich tatsächlich dicke Mädchen mit Silberblick?«

Das ist keine angenehme Vorstellung, die du da mit rosaroten Ohren leichtfertig abtust. Welches Alter wäre denn angemessen, um harte Pornographie ohne Folgeschäden zu konsumieren? 14? 17? 38?

in der untersten auffindbaren Schublade fühle ich mich bei euch beiden so lange wohl, wie mein Sohn damit zurechtkommt. Und er kommt damit zurecht.

Nein, er übt sich in Schadensbegrenzung (offenbar ganz gut, denn bei dir scheint sie ja zu wirken ;-)) und lernt daraus. Ich verstehe auch nicht, warum dich sein Surfverhalten überhaupt interessiert. Die Entdeckung der Sexualität ist der erste Schritt im Abnabelungsprozess von den Eltern. Er wird sich vielleicht dabei schwer tun – mit Big Mother am Babyfon. Pun intended.

Ich besitze übrigens keine Schubladen und propagiere Denk-, Rede- und Surffreiheit.

odoc

schrieb am

hi stonie, (kiffst du eigentlich oder warum nennst du dich so^^)

weisst du eigtl was du deinem kind antust wenn du ihm das gefühl gibst das es keine privatsphäre hat. ich glaube nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen das deine eltern so eine ******** mit dir abgezogen haben. als ich 15 jahre alt war(vor 2 jahren)kam mir der "kontrollzwang" meiner mutter schon krass vor aber das ist der hammer und sowas wünsche ich echt niemandem. er hat mich regelrecht agressiv gemacht und ich habe dadurch viel vertrauen zu meiner mutter verloren, ohne ihr das natürlich zu sagen, aus trotz sozusagen. aber wenn du willst das deine kinder später aufgrund deiner paranoia drogensüchtig werden...nur zu bei mir hats geholfen^^. ich frage mich wo deine "goßen", die du wie säuglinge behandelst dinge tun ...nun ja bei dennen sie alleine sein wollen. ps: geht bei euch eigtl sowas wie bei big brother ab...kameras im klo etc? :-) pease odoc

Stonie

schrieb am

Achja; habe ich schon erwähnt, dass ich diese boardige Kommentarfunktion manchmal verfluche? Da fehlt doch wieder die Hälfte! *GRINS*

Um nochmal auf dieses hier zurückzukommen:

Bringe deinen Sohn dazu mit dir/euch über ähnliche Sachverhalte zu sprechen, wenn ihm das notwendig erscheint. Kontrolle und Verbote enden ja doch nur in ausgefeilteren Wegen eben diese zu umgehen. »Was verboten ist, ist interessant.«

Über Sachverhalte, die ihn interessieren, verwirren oder über die er einfach mehr wissen möchte, redet er mit uns, das ist nicht das Problem. Problematisch wird's, wenn er den Diskussionsbedarf nicht sieht, obwohl einer da ist.

Und dann interessiert mich ja wirklich mal, was du so unter Verboten verstehst. Wie soll ich einem Kerl, der inzwischen 14 Jahre alt, wohl 1,92 m groß und deutlich kräftiger ist als ich, überhaupt noch etwas verbieten? Das hat schon nicht geklappt, als er sieben und deutlich kleiner war als ich.

Ich bin also unverschämt genug, ihm auf die Finger zu sehen und ihm zu sagen, dass er etwas lassen soll, wovon ich der Ansicht bin, dass er es lassen soll - und zwar mit (teils fast zu) ausführlicher Begründung. Wenn er sich anders entscheidet, kann ich eh' nix machen, das ist dasselbe wie mit dem Abwasch, da hilft er auch nur, wenn er will...

Stonie

schrieb am

Lieber Rodney,

in der untersten auffindbaren Schublade fühle ich mich bei euch beiden so lange wohl, wie mein Sohn damit zurechtkommt. Und er kommt damit zurecht. Tatsächlich ist es so, dass meine beiden Kinder noch Grenzen aufgezeigt bekommen müssen. Das bedeutet, dass ich in beide Kinderzimmer gehen können muss, wenn es mir passt und nicht, wenn es ihnen genehm ist (und wenn's nur zum Saubermachen ist, das beherrschen die Herren nämlich nicht wirklich). Das bedeutet auch, dass ich, wenn ich ich bei diesen Besuchen etwas finde, was ich diskutierenswert finde, das auch diskutieren werde. Die "Spionagesoftware" auf den Rechnern tut im Grunde nichts anderes. Sie versetzt mich in die Lage, darüber zu wachen, wie meine Kinder mit dem Rechner umgehen. Nachdem die Rechner hier im Netzwerk mit unseren Rechnern verbunden sind, ist das sowieso schon mal nötig - die Tatsache, dass wir ihm dadurch auf die Pornographieseiten gekommen sind, ist eher ein "Abfallprodukt".

Der Zugriff auf das Internet und die dort verfügbaren Informationen ist für meine Kinder bis zu einem gewissen Punkt sicherlich frei. Ich gehöre zu den Leuten, die lieber nichts sperren, aber dafür die Möglichkeit nutzen wollen, um über die erlangten Informationen zu sprechen. Was ist jetzt schlimmer: Vorbeugende "Zensur" durch Sperren bestimmter Räume aufgrund von völlig hirnrissigen Kriterien und ohne jegliche Diskussion oder das Verschaffen eines Einblicks zum Zweck der Diskussion, falls nötig?

Wir haben damit erreicht, dass wir unserem Sohn keine Seiten sperren müssen - wenn er sowas wieder ansurfen will, hat er diverse Aspekte der Bewertung dazugewonnen und kann die in diesem Fall erlangten Informationen sicherlich besser einordnen.

Pornographische Inhalte halte ich indes noch für recht harmlos, es könnte deutlich schlimmer sein (und genau deshalb bleibt der Spion, wo er ist, nennt mich ein totalitäres Aas, wenn ihr wollt): Was ist, wenn mein lieber Sohn auf politische Inhalte stößt, die ohne eine vernünftige Diskussion und Bewertung zu Verhaltensweisen führen, wie sie in unserer Gesellschaft wahrhaftig nicht geduldet werden? Ich denke schon, dass wir alle irgendwann mal den Fehler gemacht haben, Leuten zu glauben, denen wir besser kein Wort geglaubt hätten. Je nachdem, worum es dabei geht, sind die Konsequenzen mehr oder weniger schwerwiegend. Ich möchte nicht, dass mein Sohn aufgrund der Naivität, die ihm seines Alters wegen durchaus noch zusteht, irgendwann mal mit irgendwelchen faschistischen Ideen infiziert wird (das mal nur so als Beispiel, es gibt ziemlich viel anderes).

Welche Möglichkeit bleibt mir denn als Alternative? Ich könnte die elterliche "Überwachung", die notwendig ist und zu der ich sogar verpflichtet bin (Aufsichtspflicht), natürlich auch so gestalten, dass es in unserem Netzwerk nur noch maximal zwei Rechner mit Internetzugang gäbe und die Kinder erstmal zu mir oder ihrem Vater gehen müssten und freundlichst um Zugriff auf das Internet bitten - so lange, bis wir das Gefühl haben, dass die Kerle mit Informationen im Allgemeinen und Besonderen umgehen können. Das wäre, finde ich, die übelste Gängelei, die ich mir vorstellen kann und die Grenze zur Freiheitsberaubung wäre nicht weit weg. Abgesehen davon werden sie so bestimmt nicht selbständig. Ich bin kein Huhn, meine Kinder sind keine Küken.

Und also lasse ich sie an der langen Leine, damit sie ihre Erfahrungen machen können. Ich möchte ihnen aber dabei zusehen können und sie notfalls zurückpfeifen können, bevor sie sich die Nase blutig gestoßen haben bei einer eventuellen Bauchlandung.

Meine Kinder wissen beide, dass das so ist und warum ihre Eltern sich so und nicht anders verhalten. Und auch wenn der Große tatsächlich ziemlich rosafarbene Ohren bekommen hat, findet er's doch nicht schlecht. Er wäre nämlich nicht darauf gekommen, sich mit uns darüber zu unterhalten, aber er fand es sehr gut, dass wir dieses Gespräch geführt haben. Letztlich denke ich, dass wir ihm ganz nebenher auch klar machen konnten, dass das Beglotzen solcher Bilder (ob nun in Verbindung mit rhythmischer Sportgymnastik oder nicht) nichts schlimmes ist, worüber man nicht reden dürfte sondern im Gegenteil auch etwas, worüber man gern und ausführlich reden darf. Tja. Vielleicht heiligt nicht der Zweck die Mittel - aber doch das Ergebnis, wie ich finde.

Und so mache ich mir's gern in der untersten Schublade bequem. Es ist euere, nicht die meines Sohnes.

Rodney

schrieb am

Hallo Steinchen,

ich muss mich - zu Beginn - mal der Orlando'schen Meinung anschließen. Dieser Akt der Überwachung ist in meinen Augen nicht nur ein schnöder Vertrauensbruch, das ist totalitär und steckt dich - leider - in die unterste auffindbare Schublade.

Das Internet (und sein Vorrat an Informationen) ist (weitestetgehend) frei. So auch der Zugriff. Dass ein Arbeitgeber, der produktive Angestellte bezahlen möchte, das anders sieht, ist klar. Dass das in den eigenen vier Wänden (welche wohl auch dein Großer sein eigen nennen kann?!) garantiert nicht so ist, ist wohl mindestens ebenso klar.

Deine Argumentation bzgl. »lernen Informationen zu bewerten und mit ihnen umzugehen« ist schlüssig. Als DeppVomDienst bei Community XYZ habe ich sehr viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Die meisten nehmen Informationen aus dem Netz als Tatsache auf. Die wenigsten hinterfragen die aufgenommenen Informationen - Google und Wikipedia sind allwissende und unfehlbare Orakel. (Es geht schliesslich nicht immer nur um nackte Frauenkörper in erregenden Posen.)

Wenn es mir mit den kleinen Bälgern zu bunt wird, telefoniere ich auch gerne mal mit der Parentalfraktion. Oft bin ich froh, dass ich bereits sitze. Viele Kinder und Jugendliche können nicht mit Medien und den darüber verteilten Informationen umgehen, weil sie das nie gelernt haben. Nicht in der Schule, nicht von Freunden, nein - nicht mal von den Eltern. Vielen Erwachsenen mangelt es selbst an der Fähigkeit Informationen zu bewerten und entsprechend zu handeln. Wie sollen sie das dann ihren Kindern beibringen?

Du machst hier etwas goldrichtiges. Meines Erachtens nach nur leider mit den falschen Mitteln. Präventive Aufklärung und Führung sind die mittel des aktuellen Zeitalters™.

Wenn du diesen Kinderzimmerschreck eingesetzt hast, um den optimalen Zeitpunkt für ein Gespräch mit deinem Sohnemann zu ermitteln, mögen die Mittel einigermaßen angemessen gewesen sein. Dies ist allerdings nur der Fall, wenn die Überwachung mit Findung des optimalen Zeitpunktes abgebrochen wird.

Bringe deinen Sohn dazu mit dir/euch über ähnliche Sachverhalte zu sprechen, wenn ihm das notwendig erscheint. Kontrolle und Verbote enden ja doch nur in ausgefeilteren Wegen eben diese zu umgehen. »Was verboten ist, ist interessant.«

Der Playboy - nicht, dass ich je eine Ausgabe dieser Illustrierten besessen hätte - ist zudem kein Pornoheft, sondern ein Erotik-Magazin. Das ist meiner Meinung nach schon ein kleiner Unterschied. Zumindest im Vergleich zum im Internet aufspürbaren Material.

Durch präventive Aufklärung wird Jüngelchen das ganze von vornherein anders betrachten. So sind Pornos doch niemals Abbildungen der realen Welt, sondern lediglich "Stimmungsmacher". Wenn dem heranwachsenden Mann klar ist, dass es sich hierbei um gestellte und in Szene gesetzte Phantasien handelt, wird er das Material vermutlich ebenso wenig mit der Realität verwechseln, wie er das bei Star Wars oder $youNameThatMovie tun würde.

(Gott sei dank hab ich keine Kinder...)

Stonie

schrieb am

Lieber Orlando,

ich habe mir schon gedacht, dass solches kommen wird. Nichtsdestoweniger: Meine Kinder machen nicht den Eindruck, als ob sie geschädigt wären, ganz ehrlich. Der Große hat das auch nicht wirklich als Spionage gewertet - er billigt uns schon das Recht zu, zu überprüfen, womit er sich so beschäftigt. Sicher war ihm im ersten Moment peinlich, dass wir ihn "erwischt" hatten. Andererseits haben wir ihm seine Neugier ja nicht zum Vorwurf gemacht, sondern ihm erklärt, dass und warum wir finden, dass er seine Neugier in andere Bahnen lenken sollte.

Sicher habe ich mir auch heimlich die Bravo beschafft, weil meine Eltern mir die Lektüre dieser Zeitschrift veboten hatten. Sicher wird mein Sohn sich ebenfalls Informationen beschaffen, die ich für ihn für schädlich halte. Wichtig ist, dass wir als Eltern das trotzdem mitkriegen und in dem Moment, in dem wir finden, dass über diese Informationen gesprochen werden solle, auch mit ihm sprechen können.

Herr Schäuble, der ja auf dem besten Wege zur Stasi 2.0 ist, hat keinerlei Interesse an Diskussion - er will ohne jegliche Diskussion überwachen, bei Verdacht ermitteln und bestrafen, wenn er kann. Das ist etwas vollkommen anderes, vor allem, wenn man das mit Erwachsenen macht, die gelernt haben (sollten), mit Informationen umzugehen.

Schulkindern im Alter meiner Kinder (sie sind jetzt mit der 5. bzw. 7. Klasse fertg) wird, Gott sei's geklagt, größtenteils das papageienhafte Nachplappern beigebracht, nicht aber das Bewerten von Informationen. Da sehe ich als Mutter schon eine Pflicht zur Erziehung. Ich möchte, dass mein Großer in der Lage ist, sich Meinungen anzuhören (auch wenn's unangenehm ist), sich mit Informationen (und auch Bilder von spärlich bekleideten Damen sind eine Information) auseinanderzusetzen und sie zu bewerten. Wenn er ein Stückchen weiter ist, wird vermutlich weder der "Kinderspion" noch das Sperren irgendwelcher URLs notwendig sein, denn dann weiss er, wie er mit solchem Zeug umgehen muss - selbst wenn er's in einer Art tut, mit der ich nicht einverstanden sein sollte. Aber erstmal muss er lernen, wie man Informationen überhaupt einholt und bewertet.

Dann noch ein Satz zur Pornograpie: Du sagst, "Pornographie ist männerfreundlich, nicht frauenfeindlich". Da hast du vollkommen recht - das meiste, was an Pornographie vor meine Augen gekommen ist, war, milde ausgedrückt, uninteressant; Männer die dasselbe gesehen haben, haben allerdings schon fast zu sabbern angefangen. Ich fürchte, ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe. Das mit der Frauenfeindlichkeit muss man differenziert sehen. Wenn Pornographie so wahrgenommen wird, wie sie gemeint ist (also als simple - ahem - Stimulation, ich bin heute mal nett), dann ist sie sicher nicht frauenfeindlich. Schwieriger wird's bei der Art von Konsum, die ich meinem Sohn beschrieben habe (und ohne "Bewertungshilfe" fürchte ich, dass er genau da 'reinrutschen würde, sonst hätte ich ja nichts gesagt): Wenn nämlich so viel Pornographie konsumiert wird, dass man(n) letztlich zu wissen meint, dass alle Frauen eigentlich nur darauf warten, sich mit gespreizten Beinen auf den Rücken werfen zu dürfen, damit irgendein Mann auf ihnen herumhoppeln kann. Das kann durchaus passieren, und das _ist_ definitv eine Einstellung, die Frauen ganz realen Schaden zufügen kann.

Fazit: Wie immer liegt's im Auge des Betrachters. Du bist nicht mein Sohn, womit jegliche Vergleiche zu dir, deinen Jugendjahren und dem Verhalten deiner Eltern dir gegenüber schlicht müßig sind (schon deshalb, weil der Playboy damals vom Taschengeld finanziert und wohl versteckt werden musste; der Zugriff auf solches Material war schon durch die Vertriebswege stark eingeschränkt). Mein Mann und ich haben die Verantwortung für unsere Kinder. Und wir haben vor, die Privatsphäre der beiden altersgerecht wachsen zu lassen.

Den Playboy gibt's schliesslich immer noch am Kiosk zu kaufen.

Orlando

schrieb am

Wie vereinbarst du die totale – unangekündigte – Überwachung deines Sprösslings mit dessen Privatsphäre, in diesem Zusammenhang und neuerdings gerne »Informationelle Selbstbestimmung« genannt? Diese Aktion stellt für mich, verglichen mit meinen Erfahrungen eine der extremsten Formen des Vertrauensbruchs dar, da ein sensibler Bereich, die sich entwickelnde Sexualität eines jungen Menschen betroffen ist und ein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu erwartender »Vorfall« vorsätzlich abgepasst wird, um für alle Ewigkeit das fehlende Vertrauen eurerseits in sein Weltbild einzuzementieren.

Die behördliche Begehrlichkeit, intimste Details des Einzelnen zu erheben, zu speichern und auszuwerten stößt auf massiven, berechtigten Widerstand und dann läuft mir ausgerechnet hier, im vermeintlich weltoffenen, aufgeschlossenen, liberalen, grünen™ Trockendock der großen Stonie ein Familienverbundestrojaner über den Weg. Das lässt mich erschrocken und verständnislos zurück. Ich kann kaum in Worte fassen, was ich beim Lesen des Beitrags gefühlt habe, während ich mich in dieser Gesichte als betroffenen Sohn vorgestellt habe. Wut. Einfach nur Wut und Enttäuschung. Hätten meine Eltern mir gegenüber einen solchen Vertrauensbruch begangen, hätte ich jegliche weitere Kommunikation verweigert, quasi eine Informationssperre verhängt. Ich konnte mit ihnen über alles reden, wofür ich ihnen sehr dankbar bin, aber ich musste es nicht, wofür ich sie bewundere.

Stonie, wie und welche Informationen sich dein Sohnemann besorgt, geht dich nichts an. Und du kannst auch nichts dagegen tun, denn er wird zwangsläufig die Form der Informationsbeschaffung nachjustieren. So funktionieren junge Männer und das tun sie sehr gut. Sie entdecken Genitalakrobatik (Pornographie ist männerfreundlich, nicht frauenfeindlich – darüber willst du mit mir nicht diskutieren ;-)) und lernen aus positiven wie negativen Erfahrungen. Ich glaube, das war auf lange Sicht kontraproduktiv.

Orlando

schrieb am

Er hatte den Kindern sehr wohl erzählt, was auf ihren Rechnern installiert ist.

Es ist eine satte Unverschämtheit von dir, mir und meinem Mann solches zu unterstellen.

Du negierst, dass die g’schmackige Überspitzung in Form dieses Einzeilers keine von mir empfohlene Herangehensweise – warum dieser halbherzig versteckte Angriff? – an solch ein Gespräch, sondern eine Folge der Fehlinformation deinerseits war, denn …

verlegen grinste und fragte, wie wir das denn wieder 'rausbekommen hätten

… klingt schon ein wenig anders, oder? Meine gesamte Argumentation beruht auf dem Umstand der vermeintlich geheimen Überwachung und der Reibebaum ist das ihr zugrundeliegende fehlende Vertrauen. Damit hast du dir den Raum für eine Diskussion unnötigerweise selbst zu eng gemacht. Das wäre indiskutabel.

Ich kann mich übrigens sehr gut in in die Lage anderer Menschen hineinversetzen und die Erinnerung an meine Jugend ist auch noch recht präsent. Junge Männer sind in diesem Punkt alle gleich, das müssen sie sein, es entspricht der ihnen von der Ovu^WEvolution vorgesehenen Rolle. Wenn du es als Arroganz ansiehst, dass ich von diesem Standpunkt partout nicht abrücke, dann mag das zu einem gewissen Teil berechtigt sein, denn so etwas habe ich schon einmal gehört. Ich betrachte mich allerdings nicht als arrogant, sondern als überlegen. ;-)

Es gibt auch Punkte, die meine Toleranz nicht abdeckt und das sind naturgemäß jene, die Intoleranz betreffen. Die verdeckte Überwachung, die natürlich so nicht stattgefunden hat, ist nicht hinzunehmen, was mittlerweile irrelevant ist, da sie nicht stattgefunden hat. Irgendwie skurril. Mag jemand Otternasen?

Meine Sprachgewalt muss ich in deinem Blog eigentlich nicht ausleben. Ich weiß, das beruht auf Gegenseitigkeit und bitte um Verzeihung für gelegentliche Ausrutscher. Siehe Motto.

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