Feierabendbierchen

veröffentlicht von Esmeralda, 2 Kommentare
Freud und Leid mit mehr oder weniger lieben Kollegen

Heute morgen war ich um 6:30 Uhr an meinem wunderbaren Arbeitsplatz. Das war ich nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil ich meinen Kram spätestens um acht so weit fertig haben wollte, dass ich mich um die Kollegin würde kümmern können, die heute neu ins Team kommt und mir jetzt gegenübersitzt.

Ich habe den ganzen Tag über heftigst durchgeschafft, denn es war viel zu tun, noch einiges um die Kollegin herum zu organisieren, so gegen drei schwirrte mir der Kopf trotz einer zweistündigen Mittagspause und ich hatte noch ausreichend auf meinem Schreibtisch zu liegen, um bis um 17:00 Uhr höchst beschäftigt zu sein. Da kommt der hochwichtige Kollege mit dem Chef aus des Chefs Büro; die beiden unterhalten sich darüber, dass doch jetzt ein Bierchen genau das richtige wäre.

In dem Kühlschrank hinter mir lagern noch ein paar Flaschen von der letzten Festivität - zwei, drei Flaschen Bier, eine Pulle Sekt, eine ich-weiß-echt-nicht-seit-wann halbleere Flasche Weißwein. Ich weiß das, weil die Herren nämlich gestern schon nachgesehen haben, ob denn noch Sekt im Kühlschrank sei (da meinte der hochwichtige Kollege zum Chef, es müsse wohl noch welcher da sein, wenn "Frau Steinmann nicht alles weggesoffen hat". Ein Charmebolzen erster Güteklasse, das muß man ihm lassen!). Also fragen die Herren ein paar andere Herren (wozu sind wir mehr als 30 Leute in dem Büro?), ob sie denn ein kühles Bier wollen. Na, klar, ist denn ein gekühltes Bier da? Wenn Frau Steinmann nicht... - komisch, ich finde irgendwie, dass der Spruch auch durch Wiederholung in keiner Weise gewinnt. So holt man denn aus dem Kühlschrank, was dort noch lagert und stellt fest, dass es zu wenig Bier ist um alle durstigen Kehlen zu befeuchten. Daraufhin schnappt sich der hochwichtige Kollege einen anderen und trabt mit dem ins Erdgeschoß, denn dort ist der einzige Getränkeautomat, der auch Pils beherbergt. Die beiden holen ausreichend Nachschub und traben wieder an. Dann stehen sie an unserem Sekretariatsschreibtisch, trinken sich fröhlich einen, die neue Kollegin bekommt ein Sektchen eingegossen, ich lehne dankend ab (will ja dem hochwichtigen Kollegen nichts wegsaufen, gelle?) und die Spontanparty nimmt ihren Lauf. Ich versuche währenddessen, meine Arbeit zu machen, auch die neue Kollegin nippt zwar an ihrem Sektchen, hat aber ausreichend zu tun, um sich nicht groß am Gespräch zu beteiligen.

Jetzt mal ganz ehrlich: Ich gönne meinen Kollegen ihr Feierabendbierchen wirklich. Es war eine harte Woche, sie hatten alle reichlich Streß, ich finde es absolut ok, wenn sie dann zum Wochenende-Einläuten ein Bierchen zischen und ein wenig quatschen. Nur:

Muss das unbedingt direkt neben meinem Schreibtisch sein? Ich bin, verdammt nochmal, Teilzeitkraft, nach vier Stunden ist mein Tag normalerweise zu Ende! Ich war heute achteinhalb Stunden in diesem verdammten Büro und das bestimmt nicht, weil es bei mir zuhause so ungemütlich wäre oder ich nichts besseres mit mir anzufangen wüßte! Die Herren hätten ungefähr fünf Schritte gehen müssen, um in Chefs Büro zu stehen; weitere fünf Schritte hätte sie in eine Besprechungsecke gebracht, die Teil des Büros ist. Warum müssen die Kerle dann bitteschön so extrem rücksichtslos sein und Leuten das Leben schwer machen, die wirklich noch was zu tun haben und fertig werden wollen? Ist es denn so extrem schwer, mal hinzugucken? Kruzitürken, ich bin Teamassistentin, keine Bardame!

Wenn ich das aber sage, dann bin ich die humorlose Gewitterziege, die allen anderen den Spaß verdirbt. Also halte ich die Herrschaften aus (auch wenn's extrem schwer fällt) und sage nichts. Wer will schon Spaßverderber sein? Aber ich weiß ehrlich nicht, was ich mache, wenn ich am Montag in mein Büro komme und da stehen dann noch die leeren Flaschen um meinen Schreibtisch herum. Waaahhh!

Kommentare

Stonie

schrieb am

Nein, der hochwichtige Kollege hat wohl auch gemerkt, dass er bei mir nicht ganz so toll angekommen ist *hüstlhüstl*. Aber unter dem Tisch, auf dem der Drucker steht, stapelt sich jetzt langsam das Leergut. Als ob sie nicht wüßten, wo die Teeküche (und somit der Glasmülleimer) ist... Mir isses wurscht, notfalls lasse ich die schimmeligen Flaschen stehen - irgendwann ziehen wir sowieso wieder um, dann bleibt das Zeug halt zurück.

Christian Kruse

schrieb am

Und, standen noch leere Bierflaschen herum? ;-)

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