Emanzenrant

veröffentlicht von Esmeralda, 1 Kommentar
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Teamassistentinnen sind nicht gleich Teamassistentinnen. Es gibt welche, die mehr wollen - aber in diesem Land haben sie es einfach schwer. Das muss man dann auch mal anerkennen.

Ich tute nicht gern ins Gleichberechtigungshorn. Manchmal ist es aber notwendig - weil es eben immer noch Leute gibt, die meinen, dass hochgebildete, ausgesprochen intelligente Frauen Kaffee kochen, Geschirr spülen und den Kuschelfaktor ausmachen sollten, neben den einfachen mechanischen Tätigkeiten wie Korrespondenzablage, Büromaterialbestellung, Reisebuchung und Reisekostenabrechnung. In der Umgebung, in der ich arbeite, gibt es mehrere Frauen mit abgeschlossenem Hochschulstudium unterschiedlicher Fachrichtungen, Frauen mit Fachschulausbildungen hauptsächlich sprachlicher Natur, einige gestandene Kauffrauen und solche mit unschätzbarer interkultureller Erfahrung.

Zugegeben, es gibt da durchaus einige, denen es genug ist, genau das zu tun, was die stockkonservativen Herren ihnen wie Brosamen vom Tische fallen lassen. Der Job wird, das muss man schon sagen, auch wirklich gut bezahlt gemessen an den Anforderungen, die gestellt werden. Da hab ich an der technischen Hotline 5 Stunden pro Woche mehr gearbeitet, gut ein Drittel weniger Gehalt bekommen (allerdings als "Externe", also von einem Personalverleiher ausgeliehen) und wesentlich mehr Verantwortung gehabt.

Aber was ist mit denen, die den Job genommen haben, weil sie erstmal drin sein wollten, in dem großen Konzern mit den vielen, vielen Entwicklungsmöglichkeiten? Kommen die denn weiter? Nein, sie kommen nicht. Da, wo ich arbeite, kann ein Mann, der sich als Werkshallenausfeger gut anstellt, durchaus Aus-, Fort- und Weiterbildungen bekommen, bis er in den Olymp derer aufgestiegen ist, die da "etwas zu sagen" haben - also einer der "Herren" ist. Eine Sekretärin aber (das ist das vulgäre Wort für "Teamassistentin"), die wird immer Sekretärin bleiben, eine "Dame" eben - repräsentativ, fleißig, genügsam. Im alleräußersten Fall wird sie eventuell mal zur Geschäftsleitungssekretärin oder zur Sachbearbeiterin befördert werden; aber nur, wenn die Herren nicht rechtzeitig merken, dass sie sich weiterentwickeln will und ihr die Spielchen rund um Kaffee, Spülmaschine, Ablage und Bürotratsch einfach zu blöd sind.

Die für die Frauen zuständigen "Führungskräfte" sind dementsprechend unfähig. Sie können weder förderungswürdige Potenziale erkennen, noch können sie bei zwischenmenschlichen Problemen gegensteuern und einen Konsens herstellen, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Sie haben absolut keine Ahnung von Menschen, dafür können sie fabelhaft Statistiken lesen und erstellen, sie sind die Meister der Tabelle und die Götter der Informationsdeformation. Sie können Budgets verwalten, sie können dafür sorgen, dass ihre Vorgesetzten keine Ahnung haben, was wirklich los ist, sie wissen genau, wie man alles, was nach oben geht, vorfiltert. Und dann wissen sie noch, wie man Menschen benutzt, manipuliert und auf zumindest so legale Weise entsorgt, dass der Betriebsrat keine Einwände erheben wird.

So ergibt sich ein Frustrationsstau, der letztlich ganze Abteilungen leerfegt und dafür sorgt, dass am Ende nur noch die in den Sekretariaten sitzen, die die "Herren" dort gerne sitzen haben möchten: Damen, die eigentlich nicht arbeiten müssten, die es aber trotzdem tun, weil sie sich seit dem Auszug der Kinder zuhause beim fünften Male Badezimmerpolieren halb zu Tode langweilen. Damen, die mit gutsituierten Herren innerhalb des Konzerns verheiratet sind, Damen, die ihr Leben lang nur zwei Dinge getan haben: Gut aussehen und den Haushalt organisieren.

Alle, die gemeint haben, sie würden mit diesem Job einen Einstieg in eine weiterführende Karriere bekommen, die gedacht haben, sie hätten die Chance, sich noch woadershin zu entwickeln, die diese Tätigkeit als Übergangslösung angesehen haben, werden auf Dauer krank, sogar sehr krank und enden in psychotherapeutischer Behandlung und in psychosomatischen Rehabilitationsmassnahmen. Sie werden herz-, nieren- oder schilddrüsenkrank, weil sie konstant unterfordert sind und von den Damen, die wirklich welche sind, auf einen Platz verwiesen werden, der weit unter dem liegt, was sie wert sind und leisten können. Wäre ja noch schöner, denn dann würde die tatsächliche Unfähigkeit der Damen ja offenbar. Nein, für anspruchsvolle Tätigkeiten gibt es Werkstudenten, die von der kaffeekochenden Meute eingewiesen werden und dann das machen, wozu diese unsäglichen Vetteln nicht fähig sind.

Das ist ein Kreislauf, der durchbrochen gehört, zum Wohle derjenigen Frauen, die etwas anderes wollen, als den "Herren" zu dienen. Die Damen, die das gern tun möchten, können ja gern weitermachen wie bisher. Gebildete, intelligente Frauen reißen sich nicht um ihre Jobs, im Gegenteil.

Was wir brauchen, sind Führungskräfte mit Führungsqualitäten. Leute, die eine Bilanz lesen können UND mit Menschen umgehen. Leute, die wissen, dass Menschen keine Ware sind, dass man sie nicht kaufen und nicht verbiegen kann, dass man weder ihr Gewissen noch ihre Neugier, ihren Wissensdurst, ihren Drang, interessante Tätigkeiten auszuführen, auf Dauer unterdrücken kann, ohne massiven Schaden anzurichten. Wir brauchen Führungskräfte, die Spaß daran haben, zu sehen, wie die Menschen, die sie fördern, wachsen; die Freude daran haben und darauf hinarbeiten, dass ihre Schützlinge mindestens genauso gut wie, wenn nicht besser als sie selbst werden. Wir brauchen selbstbewußte Menschen in Führungspositionen, die sich nicht fürchten, ihren Job zu verlieren, wenn einer, den sie selbst gefördert haben, auf der Karriereleiter an ihnen vorbeiklettert.

Um's kurz zu machen: Wir brauchen ganze Männer und mutige Frauen, wenn wir diese Gesellschaft dahin bekommen wollen, wo sie eigentlich schon lange sein müsste. Lasst uns mal die Ärmel hochkrempeln und anfangen.

Kommentare

forschungstorte

schrieb am

Sehr sehr gut erläutert und auf den Punkt gebracht das Problem. Ich habe auch mal als "Übergang" oder Teil meiner Ausbildung in Sekretariaten gearbeitet, mich über dumme, dreiste Chefs aufgeregt die wie Plantagenbesitzer mit Personal und Zulieferer umgegangen sind. Jedoch gibt es auch kleine Biotope in der eine "Assistenz" mehr der Manager eines "Fachidioten" ist der um jede Hilfe und dem Hirn der Assistenz sehr dankbar ist. Ich kenne jemanden in einer solchen Stellung, die sogar mit dem Chef zusammen für die Ausrichtung von Schulungen eine GBR gegründet hat und saftig mit 50% beteilt ist. Das ist meiner Meinung nach ein guter Weg nach vorn. Es braucht Menschen die Firmen günden, die ihr Personal gezielt aussuchen und klug einzusetzen wissen und ihre Fähigkeiten fördern. Es bedarf Leute die in Führungspositionen kommen, die mal was neues wagen. Ich hab da so eine Idee...

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