Alles für den Shareholder!

veröffentlicht von Esmeralda, 1 Kommentar
n-tv meldet, dass Douglas unzufrieden ist mit dem Buchgeschäft und deshalb überlegt wird, ob man die großen Buchhandlungen nicht besser dichtmachen sollte. Ich bin dagegen!

Als ich 2002 nach Erlangen zog, gab es hier drei große Buchhandlungen, die, wenn ich das richtig sehe, selbständige Einzelhandelsgeschäfte waren. Dann kam Thalia und kaufte zwei dieser Buchhandlungen auf, nämlich Palm&Enke und die Universitätsbuchhandlung. Ich kann mich nicht mehr erinnern, in welchem Jahr das war, muss aber so um 2004 oder 2005 gewesen sein.

Kurz nachdem Thalia die beiden anderen großen Buchhandlungen geschluckt hatte, hat die dritte dichtgemacht. Heute ist da ein Fahrradladen drin. Schade, denn dort gab's ein etwas anderes Sortiment und der Laden war insgesamt doch ein wenig individueller. Aber vermutlich zu teuer - gegen einen Konzern, der in ganz anderen Größenordnungen einkaufen kann, kann man halt doch als Einzelunternehmer nicht anstinken, fürchte ich.

So ist heimlich, still und leise ein wenig Bildungsvielfalt aus Erlangen verschwunden, ohne dass die Bürger dieser Stadt das recht wahrgenommen haben. Ich finde das ziemlich traurig, denn ehrlich gesagt würde ich schon ganz gern ein bisschen mehr Vielfalt haben und individuellere Sortimente - in allen Läden übrigens, nicht nur bei Büchern. Aber eben bei Büchern ist es besonders schlimm, finde ich, denn Einheitssortimente in diesem Bereich werden meiner Ansicht nach auf Dauer Einheitsdenker hervorbringen. Praktisch für große Konzerne, ja. Schade aber für die Gemeinschaft.

Aber schlimmer geht bekanntlich ja immer. Und nun lese ich, dass der Douglas-Konzern, dem Thalia gehört, "mit der Buchsparte unzufrieden" sei. Man überlege, ob man nicht die Läden, die mehr als 500 - 600 Quadratmeter Fläche haben, besser schließen solle. Zur Beruhigung des geneigten Lesers steht da dann noch:

"Es wird auch noch in 10, 15 oder 20 Jahren noch Buchhandlungen geben", meinte der Konzernchef. "Sie werden aber anders aussehen. Es wird intimer, immer kleiner."

Jaja. Intimer, kleiner. Kein großartiges Sortiment mehr, einfach nur ein paar Bestseller, garniert mit Zeitungen und Zeitschriften, Blumensamen, Süßigkeiten (von Hussel, die gehören ja auch zum Konzern). Die Thalia-Buchhandlungen sind ja heute schon mehr ein Gemischtwarenladen, in dem zufällig auch ein paar Bücher herumstehen. Wie soll das wohl werden, wenn's "intimer" wird? Oh weh!

Was mir stinkt, ist, dass diese Hornochsen (excuse my french) erstmal alles an Indivdualität plattgemacht haben für ihren Konzerngewinn, dass sie mit dem Online-Geschäft ihre Franchiser behindern und sich dann beklagen, dass die Umsätze niedriger sind als erwartet. Für mich bedeutet das auf lange Sicht, dass ich auf eine große, wirklich gute Buchhandlung, in der man eben auch Beratung bekommt, wenn man sie braucht und die trotz des Anschlusses an den Konzern noch sehr ordentlich sortiert ist (der Uni sei Dank!) vermutlich auf lange Sicht werde verzichten müssen, damit die Shareholder von Douglas-Aktien bitteschön auch eine anständige Dividende bekommen. Es regt mich auf! Wirklich!

Kommentare

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Bücher gelten als Kulturgut, sind beliebte Geschenkartikel – und werden zu bundesweit einheitlichen Preisen verkauft. Wie leicht müssen es also traditionelle Buchhandlungen noch gemacht bekommen, um gegen Konzerne bestehen zu können? Mich gemütlich mit Buch und Kaffee hinsetzen kann ich jedenfalls bei Thalia besser. Und wer im dortigen Sortiment nichts interessantes findet, hat vermutlich ein Problem, für das Buchhändler nicht die richtigen Ansprechpartner sind ;-)
Die Frage ist für mich auch nicht die, ob Thalia oder eine alteingesessene Buchhandlung, sondern ob Thalia oder Amazon. Und wenn ich die Personalpolitik dieser beiden Wettbewerber vergleiche, weiß ich, wer mir lieber ist.
Nein, den alten Buchhandlungen weine ich keine Träne nach.

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