Pressearbeit und wie sie nach hinten losgehen kann

veröffentlicht von Esmeralda, 1 Kommentar
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Heute morgen las ich den Stoßseufzer von Manuel Bewarder auf Twitter: "Am Ende ist die Presse Schuld. Ach, Piraten." Ganz so ist es ja nicht - wir sind schon ein gutes Stück selbst schuld.

Der Bundesparteitag in Neumarkt war für die meisten Piraten ein wirkliches Erlebnis - und für alle Medienvertreter und Pressebetreuer ein ausgesprochen anstrengender Marathon. Eigentlich wollten wir die SMV-Diskussion am Freitagabend ab 18:30 Uhr führen und am selben Abend noch abschließen. Bedauerlicherweise haben wir schon deutlich später damit angefangen und durch die Emotionen, die bei vielen Piraten an diesem Thema hängen, konnte sie auch bis Mitternacht nicht abgeschlossen werden.

Man könnte jetzt lang und breit diskutieren, ob es eine Fehlentscheidung war, die Diskussion auf das Ende der Tagesordnung am Samstag zu schieben. Ich denke, dass jede Entscheidung hier zu ähnlichen Ergebnissen geführt hätte, von daher ist das müßig. Von daher ist der positive Aspekt vom Samstag, dass wir viel Programm beschlossen haben, der negative Aspekt ist der, dass wir schon wieder nicht mit der SMV-Diskussion durchgekommen sind.

Und so wurde das Thema auf den Sonntag verschoben. Wer mit dem Wort "Redaktionsschluß" mehr verbindet als das schwammige Bewußtsein, dass das der Zeitpunkt ist, zu dem man vielleicht doch mal anfangen sollte, einen Newsletter zu schreiben, weiß, was das für die anwesenden Journalisten bedeutet hat, vor allem, weil absolut alles, was mit der SMV zu tun hatte, geheim abgestimmt wurde und so natürlich viel Zeit in Anspruch nahm.

So saßen am Pressetisch am Sonntag um 17:00 Uhr diverse recht verzweifelte Menschen, deren Redaktionen zu diesem Zeitpunkt schlossen und fragten, was sie denn nun berichten sollten. Die Presselotsen haben ihr möglichstes getan, um da Unterstützung zu geben, konnten aber auch nicht mehr machen als zu sagen, dass das Ergebnis der Abstimmung über die Entscheidungsordnung abgewartet werden muss. So, und damit jetzt ein Artikel rausging, musste der Stand berichtet werden, den es zu diesem Zeitpunkt gab: Keine SMV beschlossen.

Dass dann von der Piratenpartei eine vorhandene Pressemeldung zum Zeitpunkt des Abstimmungsergebnisses nicht verschickt wird, ja, dass der Versand sogar über die folgenden drei Tage hinweg nicht erfolgt, weil Uneinigkeit über die Freigabe der Meldung besteht - das ist den Pressevertretern am allerwenigsten anzulasten, Leute. Das ist unser Fail.

Genausowenig kann man den Pressevertretern verübeln, dass sie mit den Leuten sprechen, die sie kennen - und das sind nun einmal hauptsächlich diejenigen, die den Satzungsänderungsantrag 003 nicht als das Beste ansehen, was für SMV herauszuholen war, sondern schlicht der Ansicht sind, dieser Vorschlag sei vollkommen inakzeptabel. So kommt es dann, dass berichtet wird, wir hätten eben keine Online-Abstimmungen beschlossen.

Wenn wir selbst, die wir dort waren und den Beschluß gefaßt haben, so dumm sind, ein paar sehr lauten, aber in einer Minderheit befindlichen Leuten den gesamten Einfluß auf die Berichterstattung zu geben, sind wir ernsthaft selbst schuld. Dafür kann kein Pressevertreter etwas.

Es ist die Aufgabe der Presse, zu berichten, was IST. Es ist die Aufgabe der Piraten, die Presse über die korrekten Tatsachen zu informieren. Wenn wir das nicht tun, haben wir auch keine bessere Berichterstattung verdient.

Das nächste Mal sollten wir bitte:

  • Dafür sorgen, dass wichtige Entscheidungen am Sonntag vor 17:00 Uhr gefallen sind
  • Dafür sorgen, dass wichtige Entscheidungen sorgfältig kommuniziert werden
  • Dafür sorgen, dass wichtige Entscheidungen von denen kommuniziert werden, die die Anträge gestellt haben und nicht von denen, die die Entscheidung möglichst ungeschehen machen möchten.

Pressearbeit ist eben kein Sonntagnachmittagsspaziergang. Das sollten wir uns alle merken. Herzlichen Dank für euere Aufmerksamkeit.

Kommentare

Fresser

schrieb am

Richtig beschrieben.

Aber wenn die Bundespressesprecherin um 18:00 den Stift fallen lässt und ihre Aufgaben einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin übergibt (die bis zum bitteren Ende da blieb und sich ihrer Verantwortung bewußt war), weil sie als (einzig) bezahlte Mitarbeiterin nun Mal in den Fierabend gehen will dann weiß man, dass die Pressearbeit bei den Piraten tot ist.

Das war bei Herrn Lang und Herrn Lessmann anders. Aber für die beiden war es ja nicht einfach nur ein Job.

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