Gedanken zur Gründung der progressiven Piraten

veröffentlicht von Esmeralda, geändert am , 19 Kommentare
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Ich habe mir die Mumblesitzung zur Gründung der progressiven Piraten mit großem Interesse angehört. Jetzt fasse ich meine Gedanken dazu zusammen.

Die Sitzung war von vornherein auf drei Stunden begrenzt; naturgemäß ist es in der Zeit unmöglich, endgültige Ergebnisse zu erzielen. Deshalb werden wir alle noch ein wenig warten müssen, bis wir erfahren, wie es genau mit den progressiven Piraten weitergeht. Der Anfang ist aber gemacht und die Statements während der Sitzung bringen schon einmal ein wenig Licht ins Dunkel der tatsächlichen Probleme in der Partei.

Die erste Frage, die besprochen wurde, lautete: "Was sind die Konflikte in der Partei? Wo und wie beziehen wir Stellung?"

Zu diesem Thema wurde am ausführlichsten diskutiert. Das liegt in der Natur der Sache. Die progressiven Piraten befinden sich derzeit in einer Situation, die gern als defensiv bezeichnet werden darf. Sie haben lange und hart daran gearbeitet, ihre Themen in der Partei zu platzieren und Werbung dafür zu machen. Das Ergebnis, das in unser Programm eingeflossen ist, kann sich durchaus sehen lassen. Dennoch wurde ihnen auf dem Bundesparteitag in Halle eine deutliche und sehr schmerzhafte Absage erteilt, was die Meinungshoheit innerhalb der Partei anbelangt.

Diese Situation mag unseren Progressiven fremd sein; die Kernis, die es lange Zeit gern gesehen hätten, wenn die Partei ihre Expertenposition zur Informationstechnologie, Bildung und zu den Bürgerrechten gehalten und ausgebaut hätte, kennen diese Situation schon. Das Frankfurter Kollegium wurde ja aus einer sehr ähnlichen Gefühlslage heraus gegründet.

Zusammenfassend sehen die progressiven Piraten als Konfliktpotenzial in der Partei:

  1. Aggressives Verhalten; das wird Vertretern beider "Lager" gleichermaßen zugeordnet. Ausfällige, abwertende Wortwahl gegenüber der jeweils anderen Gruppe, Entwertung der geleisteten Arbeit, Übersteigerung des Wertes der jeweils eigenen Arbeit.
  2. Dem progressiven Ansatz, über die Gegenwart hinauszudenken, Visionen und Utopien zu entwickeln und so den sozialen Aspekt der digitalen Revolution einzubeziehen steht eine gegenwartsbezogene Einstellung gegenüber, die den Ist-Stand im Auge hat und verhindern will, dass die Werkzeuge, die die digitale Revolution uns in die Hand gibt, missbraucht werden, aber eben die Möglichkeiten für die fernere Zukunft nicht in Betracht ziehen will. Das wird als ängstlicher, wenig visionärer Ansatz wahrgenommen, der sich an Wählerstimmen orientiert, die es zu gewinnen oder verlieren gibt.
  3. Arbeit an kosmopolitischen, feministischen, kulturoptimistischen, antirassistischen Themen und Teilhabe (wie SMV) wird durch den ständigen Erklärungsbedarf extrem erschwert. Es wird als anstrengend empfunden, diese Begrifflichkeiten immer wieder aufs Neue erklären zu müssen, sich hier immer wieder in einer Verteidigungsposition wiederzufinden.
  4. Progressive politische Arbeit wird mutwillig gestört, teilweise völlig unmöglich gemacht. Technische Werkzeuge wie Mumbleserver werden vorsätzlich unbrauchbar gemacht.
  5. Abwesenheit von innerparteilicher Demokratie.
  6. Der Wunsch, die Gesellschaft zu verändern, nicht die Piraten. Die Betonung sollte auf Inklusion und Teilhabe liegen, nicht auf gesellschaftlicher Nachkorrektur von Mißständen. Kompromissfähigkeit wird an dieser Stelle eingefordert - wer nicht in der Lage ist, Brücken zu schlagen, der ist als Partei nicht kompromissfähig.
  7. Distanz zu ausschließlicher Herrschaftskritik sollte gehalten werden. Privilegien sollten hinterfragt und ausgeglichen werden.

Was sich anhand dieser Aussagen für mich herauskristallisiert, ist einerseits der Kritikpunkt, der allen Piraten schon lange bewußt ist, ohne dass jemand wirklich versucht, an dieser Stelle gegenzusteuern: Verhaltensweisen, die nicht sozialverträglich sind. Das ist ein Punkt, an dem wir uns alle einig sind und an dem wir unbedingt gemeinsam arbeiten sollten.

Der zweite Punkt ist schon knackiger, denn er betrifft Inhaltliches: Die Progressiven begreifen sich als diejenigen, die die Visionen haben, in die ferne Zukunft blicken und Utopien entwickeln, ohne auf das Wählerpotenzial zu achten. Sie begreifen die Sozialliberalen als diejenigen, die Politik für den Moment gestalten wollen, um für Wähler attraktiv zu sein. Die Gefahr, dann zu einer Partei zu werden wie wir schon sehr viele haben, möchten die Progressiven gerne abwenden.

Und letztlich die große inhaltliche Differenz, die noch sehr ausführliche Debatte erfordern wird: Der Wunsch nach Betonung von Feminismus, Antirassismus, Antifaschismus, Kulturoptimismus, Kosmopolitismus. Alles selbstverständlich Teil dessen, was allen Piraten im Knochenmark steckt, sonst wären sie keine. Aber - und das sehen die Progressiven durchaus - teilweise doch sehr schwer vermittelbare Themen, eventuell zu sperrig für Wahlkämpfe. Expertise an dieser Stelle öffentlich zu machen, ein Publikum dafür zu bekommen, ist eine Aufgabe, die mit Sicherheit nicht leicht zu lösen ist.

Während ich den Statements zuhörte, wuchs in mir der Wunsch, die progressiven Piraten mögen den Freiraum, den sie benötigen, um ihre Themen ausführlich zu besprechen und vermittelbar auszugestalten, bitte bekommen, denn vieles, was ich da hörte, war durchaus bedenkenswert und auch sehr interessant. Ich hoffe sehr, dass die Sozialliberalen, die vor anderthalb Jahren in einer ähnlichen Sinnkrise steckten und sich diesen Freiraum nahmen, hier mehr Verständnis aufbringen werden als ihnen damals entgegengebracht wurde. Letztlich, ich sagte es eingangs, kennen sie die Gefühlslage aus eigener Erfahrung nur zu genau.

Ich äußere hier und jetzt den Wunsch und die Bitte an die kernigen Kollegen in dieser Partei: Lasst die Progressiven bitte in Ruhe arbeiten! Die Ansätze, die ich zu hören bekam, sind außerordentlich interessant und ich möchte dringend die Ausarbeitungen und Anträge sehen, die dazu entstehen werden. Wenn ich mich dafür "besoffene Dachlatte" nennen lassen muss, dann bin ich gern bereit, das hinzunehmen. Wenn ich dabei zusehen darf, wie diese Visionen und Utopien entwickelt werden, bin ich ausgesprochen erfreut.

Den Kernis bin ich trotzdem weiterhin zuzuordnen. Mir liegt die Tagesarbeit, das Hier und Jetzt deutlich mehr. Auch die Arbeit daran, politisch in einer Weise zu wirken, die uns für Wähler attraktiv macht, die uns als Experten auf den Gebieten Informationstechnologie, Datenschutz, Bildung und Bürgerrechte ausweist und damit Themenfelder besetzt, die von den derzeit mit Mandaten versehenen Politikern größtenteils mißachtet, teilweise schändlich mißbraucht werden, halte ich für sehr wichtig und für sehr erfolgversprechend.

Wenn wir es richtig anfangen, uns gegenseitig Respekt entgegenbringen, Raum zum Erarbeiten von Positionen lassen und uns zwischendurch gegenseitig über die Schulter gucken, dann kann aus dieser Partei das Beste werden, was der Welt bisher passiert ist.

Ich hoffe stark, dass wir diese Chance nicht wieder dem Bedürfnis nach Rechthaben opfern, sondern sie endlich sehen und auch wahrnehmen!

Kommentare

Bernhard Hanakam

schrieb am

Ich war ja schon immer der Ansicht, dass sich die sozialliberalen und progressiven gegenseitig brauchen. Man braucht die, die für die Gegenwart Politik machen, um eine Grundlage für die Visionen der progressiven zu schaffen. Gleichzeitig braucht man die Visionen, damit man überhaupt weiß, wohin es gehen soll, damit man auch die richtigen Grundlagen schaffen kann.

Ich selbst bin irgendwo dazwischen und wünsche mir, mit allen zusammen arbeiten zu können.

Aleks

schrieb am

Vielen Dank für deine Zusammenfassung der Mumble Sitzung.

Also,

progressiv sind Mitglieder der Piratenpartei per definitionem. Wer ein solches Programm wie das der Piratenpartei trägt ist eher progressiv. Piraten sind nur konservativ, wenn es um die Bürgerrechte geht. Und das ist auch gut so.

Entsprechend finde ich das Label "progressiv", das diese Mitglieder sich geben, beleidigend den anderen Mitglieder gegenüber.

Es ist derailing und semantische Spielerei. Und die, dachte ich, hätten die Piraten hinter sich gelassen.

Das Frankfurter Kollegium - das kann ich als Mitbegründer und treibende Kraft klar sagen - gründete sich, um gegen Gewaltbereite, mobbende Piraten Kante zeigen zu können. Um Stuß wie #flaggengate, #molligate und #bombergate zu verhindern - was uns nicht gelang, in dieser Form nicht erwartet hatten aber in ähnlciher Form kommen sahen.

Und nicht, um konservative Themen auf den Tisch zu bringen. Wer Links/sozialliberale Positionen als "Konservativ" tituliert hat allen Anschein nach nicht viel Kontakt mit anders denkenden gehabt.

Ich war nicht im von dir angesprochenen Mumble - um dieser Gruppierung Freiraum zu geben. Kamen selbstkritische Töne auch vor oder wurde gar nicht analysiert, wieso die vermeintlichen oder tatsächlichen Kandidaten dieser Gruppierung höchstens ein Drittel der Stimmen für sich vereinen konnten, wieso zwei Drittel der zum Parteitag hingereisten Piraten deren Kandidaten ablehnten, was sie möglicherweise in der Vergangenheit falsch gemacht hätten?

Denn sogar ich als a-religöser agiere nach Matthäus 7:3 und kümmere mich zuerst um die eigenen Balken und danach erst um die Splitter im Augen der Anderen.

Und wer zum Henker wagt es, dich zu beleidigen? Was soll das? Was ist das für einen Ton zwischen Menschen? Haben die Piraten wirklich nichts dazu gelernt aus den Geschehnissen des letzten halben Jahrs?

Piraten brauchen die Spannung zwischen Pragmatiker und Visionäre, zwischen "links" und "weniger links". Sie erzeugt Wärme, sie kann Konsens erzeugen, sie bringt eine Gruppe voran.

Aber dieser Alleinvertretungsanspruch, der schon in der Namenswahl sich äussert, diese fehlende Selbstreflektion und die Aggresivität vieler Aussagen lassen mich zweifeln, ob die Gruppe, die in Halle den kürzeren zog zur Zusammenarbeit fähig und willens ist.

Und dass die im Foyer noch "Die Internationale" singen müssten lässt mich fragen, ob sie sich nicht bei anderen Gruppen, deren Hymne "Die Internationale" ist, wohler fühlen würden.

Ich könnte sonst noch auf Vieles eingehen, was diese Gruppe nach deiner Wiedergabe falsch tut oder sagt. Aber im Sinne eines friedlichen Miteinanders werde ich das sein lassen.

Danke Aleks

Edelweißpirat

schrieb am

einfach nur, JA !...mit diesem Text hast Du sowas von recht....DANKE

icke2AIDA

schrieb am

Huhu,

ich will nur einen Satz aufgreifen: "Mir liegt die Tagesarbeit, das Hier und Jetzt deutlich mehr."

Das tun täglich viele sogenannte "Progressive" in Berlin zum Beispiel:

  • Im Berliner Abgerdnetenhaus
  • in den Rathäusern der Berliner Bezirke

Und würde sich manch ein sogenannter "Kerni" oder "sozial liberaler" die Mühe machen, die Drucksachen der Rathäuser und des Abgeordnetenhauses zu durchstöbern wird schnell auffallen:

  • da sind mehr Themen, die den "Kernis" oder "Sozialliberalen" zuzuordnen sind, behandelt worden. Mehr als scheinbar derzeit die Vorstellung darüber gerade bei "KErnis" und "Sozialliberalen" vorhanden ist, geschweige was bisher der Frankfurter Kranz seit seiner Entstehung geliefert hat.

xwolf

schrieb am

Mir sind die Labels egal.

Nur eines ist wichtig: Wer in der Piratenpartei sein möchte, muss sich an die Satzung halten, insbes. §1.1. Und ich erwarte, dass die Unvereinbarkeitserklärung (nicht die relativ unspezifische von der Antifa, sondern die erläuterte Fassung wie hier: http://piraten-erlangen.de/2012/04/24/unvereinbarkeitserklarung/ ) respektiert wird.

Ich werde allen Piraten meine Hände reichen, die Piraten sein wollen. Gleich unter welchem Label sie sich sehen. Wer die Piraten aber entern und für sich ausnutzen, wie ein Virus eindringen und dann von innen heraus in seinem Sinne mutieren lassen will, muss mit Gegenwehr rechnen.

Sorry, wenn dies negativ klingt. Aber auch #1000Hände bedeutet nicht, dass irgendeine Hand sich von wilden Hunden beißen lassen muss.

klml

schrieb am

Auch wenn ich mich selber weder noch zuordnen würde, dazu sind mir die sogenannten Sozialliberalen (aka kernies) zu status quo zentriert und die Progressiven zu revolutionär.

Das "Lasst die Progressiven bitte in Ruhe arbeiten! Die Ansätze, die ich zu hören bekam, sind außerordentlich interessant und ich möchte dringend die Ausarbeitungen und Anträge sehen, die dazu entstehen werden." finde ich wichtig.

Das bedeutet aber auch das man die Arbeit oder Ansicht des jeweilig andern auch schmerzhaft akzeptieren muss. Nicht jeder wird mit einer Antifa Flagge oder einem Anti-BGE-T-Shirt einverstanden sein, aber man muss bis zu einer gewissen Grenze, das auch akzeptieren können und nicht aus jeder Meinungsverschiedenheit gleich die Freund Feind Linie ziehen.

Ich selber z.B. finde das BGE nicht gut, aber die strikte Ablehnung und verbale Aggression der BGE Gegner viel schlimmer. Sinnvollen weiterführende Diskussionen, die es ja gibt, gehen da nämlich zu schnell unter.

Klar ist Politik, auch innerparteiliche Politik wichtig, eine Partei ist eine demokratische Kampfeinheit (leider) und kein Konsensladen. Aber den Parteizwiste, den es in jeder Partei gibt, können die Piraten als Partei schon besonders gut; vor allem im Verhältnis zur real erbrachten Politik.

Esmeralda

schrieb am

Leute, bitte! Natürlich wird nicht sofort alles gut. Das mal vorneweg.

Dann: @Aleks, ich war ja bei den Anfängen des Frankfurter Kollegiums durchaus dabei und hatte unser damaliges Bemühen tatsächlich darin gesehen, inhaltliche Arbeit abzuliefern. An der Stelle ist nicht viel handfestes passiert, was ich ausgesprochen schade finde, denn es wäre durchaus wichtig gewesen, hier einiges zu tun. Den Vorwurf, wir hätten aus den Snowden-Enthüllungen und dem NSA-Skandal nichts gemacht, dürfen wir uns ALLE machen lassen, wie wir da sind. An der Stelle nehme ich niemanden aus.

@John Martin Ungar: An der Stelle unterhalte dich mal mit den Leuten, die die Wünsche geäußert haben. Diskurs ist da extrem wichtig.

@icke2AIDA Welchen Sinn hat es bitte, anderen Leuten vorzuwerfen, was sie nicht tun, solange man nicht sehen möchte, was sie tun? Warum sollte Arbeit, die für diese Partei geleistet wird - egal, an welcher Ecke - unterschiedlichen Wert haben? Ich tue vieles, was du nicht siehst und du vieles, was ich nicht sehe. Das heißt nicht, dass wir nichts tun, sondern nur, dass wir sehr unterschiedliche Dinge tun. Vorwürfe bringen uns genausowenig weiter wie besoffene Dachlatten und Frankfurter Kränze.

@xwolf: Sehr richtig. Daher der Wunsch, dass jeder jetzt mal für sich ausarbeitet. Danach kann man einen Diskurs in der Sache führen. Den emotional und sehr ad hominem (auf beiden Seiten!) geführten Kampf um irgendwelches Rechthaben sollten wir in Zukunft tunlichst sein lassen.

@icke2AIDA

schrieb am

Huhu, Du fäßt es in Deiner Antwort richtig zusammen und gebe Dir auch völlig recht.

Nur so wurde von "lauten Menschen auf Twitter" nicht suggeriert... Ih denke, damit erwähne ich nichts neues. Lieber wurde / wird? diesen sogenannten Linken vorgeworfen, sie würden nur "ein" Thema "bearbeiten" ...

zum NSA Skandal: Hätte da aber nicht vor allem dann etwas von dem Frankfurter Kranz kommen MÜSSEN? Ist es nicht - wenn ernsthaft die Meinung herrscht, die Piraten besteht aus der Gruppe von "Kernis" und "Progressiven" - eine billige Ausrede hier zu rufen, es hätte von ALLEN Piraten Dinge geschehen müssen? Natürlich hätte von allen Piraten etwas kommen KÖNNEN, aber gerade im Kranz haben sich doch Piraten, die gerade so ein Kernthema wie die NSA Thematik vertreten wissen wollen, gesammelt?

Esmeralda

schrieb am

@icke2AIDA Ich werfe diesen sogenannten Linken erstmal gar nichts vor. Damit bin ich in der Tat schon länger durch.

Was die NSA-Geschichte anbelangt: Ich fürchte, wir haben so ziemlich alle einiges versucht, waren aber zu dem Zeitpunkt schon als inkompetenter, zerstrittener Haufen in der öffentlichen Wahrnehmung und somit kein Ansprechpartner mehr.

Insgesamt ist uns allen (ja, wirklich allen) vorzuwerfen, dass wir lieber über irgendwelche sozialen Medien aufeinander herumgehackt haben, als eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, um unsere Partei über diesen wirklich bodenlosen Skandal wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen. Da nehme ich das Frankfurter Kollegium sicher nicht aus.

Zum guten Schluß: Ich empfinde dein "Frankfurter Kranz" als Abwertung einer Gruppe. Warum ich so etwas für kontraproduktiv halte, habe ich recht wortreich geschildert. Wir sind sicher alle keine Heiligen und lassen uns alle hier und da dazu hinreißen, in unserer Wortwahl provokant zu werden. Vermeiden wäre an dieser Stelle aber für die Atmosphäre insgesamt günstiger, denke ich.

Esmeralda

schrieb am

Ich muss morgen arbeiten und gehe deshalb jetzt ins Bett. Kommentare freischalten kann ich frühestens wieder morgen ab 18:00 Uhr. Das soll euch von nichts abhalten. Ich möchte nur nicht, dass ihr euch wundert oder gar denkt, ich wollte euch das Wort verbieten, weil jetzt erst einmal keine Freischaltungen mehr kommen.

Gute Nacht zusammen!

@icke2AIDA

schrieb am

Huhu,

Ich fasse es nochmal zusammen:

Dein Satz:

"Den Kernis bin ich trotzdem weiterhin zuzuordnen. Mir liegt die Tagesarbeit, das Hier und Jetzt deutlich mehr. "

Du willst damit sagen, das die "progressiven" nichts mit der "Tagesarbeit" (was auch imemr das sein soll) und dem "Hier und jetzt" zu tun hätten?

Daher kam meine Auflistung sich zu erkunden, was eigentlich so in dem Abgeordnetenhaus und den Bezirksparlamenten geleistet wird.

Und auch heute erst wieder - nicht von Dir - unwidersprochen lesen dürfen: "in Berlin sind eher nur Linksextremisten".

Wenn wir als PIRATEN nur "einiges" versuchen und nicht alles, dann brauchen wir uns um mangelnde Wahrnehmung auch nicht beklagen.
Aber zu meinen, wir wären JEMALS ein kompetenter Ansprechpartner im Zusammenhang der Edward Snowden Veröffentlichungen gewesen, mit Verlauf... aber mit was begründest Du das? Wo sind unsere "Experten", wo sind unsere PMs, und Blogs die nur mangelns "relevanz" von der Presse nicht übernommen wurden?

P.S.: Du kannst meine gewählte Bezeichnung Frankfurt Kranz als Abwertung der Gruppe sehen, ich als Beschreibung einer Gruppe, welche mir mit diesem Namen leichter über die Tastatur rutscht.

Und provokant oder nicht - das letzte wird sein, das ich mich sprachlich verbiegen werde und damit meine eigene Authentität verliere - da war ja diese Sache mit Toleranz und Respekt. Die fängt auch an solchen Stellen an.

k1l

schrieb am

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Das Programm ist nicht das Problem.
Klar kann man es grundlegend in die Visionen und das Tagesgeschäft unterteilen aber das alleine führt nicht zu dem Konflikt der zur Zeit vorherrscht.
Der Konflikt beruht darauf, dass einseitig versucht wurde seine Themen durchzudrücken und dabei Mittel und Methoden genutzt wurden die sich jetzt der Großteil der Partei nicht mehr gefallen lassen will.

Das die Progressiven "ihre" Themen nun ,verbrannt haben wäre zu hart, eher mit einem Grschmäckle ausgestattet haben ist das Ergebnis dieser Methoden und Mittel.

Nun wird überspitzt gesagt überlegt ob man das Tafelsilber der Partei noch ausnutzt oder einen eigenen Weg geht.
Denn auch icke2aida zeigt mit seiner passiven Aggressivität genau das Verhalten, was bei anderen sofort als Hater oder anderes Bezeichnet wird.
Die vielen abfälligen Bemerkungen über das Frankfurter Kollegium sind auch unverständlich, wenn man doch gerade das 1zu1 Gegenstück plant und anderen permanent Wortwahl und Bemerkungen vorhält.

Also wie gesagt. Weder das Programm noch die Visionen führten zu dem Status quo. Es waren die Methoden und Mittel die einerseits Doppelmoral widerspiegelten und andererseits Piratenwerte verkauften.

Idahoe

schrieb am

Progressiv im Sinne von herrisch, dominant?

Könnte hinkommen.

Nein, es ist der GLAUBE an ein unveränderliches IDEAL, der die Sinne betrügt. Die Wahrnehmungsfähigkeit wird gemäß den gesetzten Filtern eingeschränkt. Anstatt sich zu öffnen und Erkennisfähigkeit zu erlangen, wird versucht die künstliche Intelligenz des "Null und Eins" umzusetzen:

Je schneller der Mensch gehorcht, umso intelligenter sieht er scheinbar auch aus.

VolkerW

schrieb am

Ob Frankfurter Kranz, pPlattform oder Piratinnen-only-Veranstaltungen - alle widersprechen eklatant der Idee der Piratenpartei, eine offene Mitmachpartei zu sein. Da geben sich alle nichts und ungeachtet der Arbeit die dort geleistet wird, wird diese mit Sicherheit von den Ausgegrenzten nicht angenommen werden.

Mögen sich die Gruppen als offene AGs oder ähnliches organisieren und das, was sie dort machen transparent machen, dann kann man weiter sehen, ob dort entwickelte Ideen von der ganzen Partei getragen werden können. Ansonsten bleiben das Mauschel-Clubs...

Die Trennlinie verläuft nämlich nicht bei den Themen und Idealen der Gruppierungen, sondern eher bei den Methoden die angewandt werden. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel, die eingesetzt werden dürfen. Gewalt, körperlich und auch verbal, kann kein Mittel der Politik sein. Und wer glaubt, sich mit Lügen aus seiner Verantwortung stehlen zu können, hat wohl nicht verstanden, warum die Piraten gegründet wurden - wir hatten die Lügner in der Politik satt und wollten endlich wieder ehrliche Politik machen.

Ich unterscheide bei Piraten nicht zwischen "Konservativen" und "Progressiven", sondern zwischen Lügner_Innen (mit Absicht gegendert!) und Ehrlichen, wobei diejenigen, die die Mehrheit von Halle als "Rechte" bezeichnen diese ganz bewußt diffamieren - also lügen!

Lügner_Innen raus! Ehrliche Politik braucht ehrliche Politiker!

Esmeralda

schrieb am

@icke2AIDA:

Du willst damit sagen, das die "progressiven" nichts mit der "Tagesarbeit" (was auch imemr das sein soll) und dem "Hier und jetzt" zu tun hätten?

Daher kam meine Auflistung sich zu erkunden, was eigentlich so in dem Abgeordnetenhaus und den Bezirksparlamenten geleistet wird.

Moment, da gibt's offensichtlich ein Missverständnis: Ich sprach über die Ergebnisse der Konferenz zur Gründung der progressiven Plattform. Dort war die Rede davon, dass sie sich als diejenigen sähen, die Visionen und Utopien entwickeln, die ins Programm Eingang finden. Das finde ich gut, denn ich gehöre zu denen, die in dieser Hinsicht einfach näher an der Gegenwart sind und betrachte das deswegen als sehr wichtige Ergänzung. Das war gemeint.

Dass die Mandatsträger jeden Tag Arbeit im Hier und Jetzt leisten, weil das ihre Aufgabe ist, steht hier gar nicht zur Debatte.

Und auch heute erst wieder - nicht von Dir - unwidersprochen lesen dürfen: "in Berlin sind eher nur Linksextremisten".

Dass das nicht stimmt dürfte jedem klar sein, der sich mal intensiver mit den Berliner Piraten auseinandergesetzt hat.

Wenn wir als PIRATEN nur "einiges" versuchen und nicht alles, dann brauchen wir uns um mangelnde Wahrnehmung auch nicht beklagen. Aber zu meinen, wir wären JEMALS ein kompetenter Ansprechpartner im Zusammenhang der Edward Snowden Veröffentlichungen gewesen, mit Verlauf... aber mit was begründest Du das? Wo sind unsere "Experten", wo sind unsere PMs, und Blogs die nur mangelns "relevanz" von der Presse nicht übernommen wurden?

Das ist ja das, wovon ich rede: Es ist NICHTS passiert, weil das innerparteiliche Gezanke alles überlagert hat; die Experten haben sich dann schlicht zurückgezogen und nichts mehr gesagt. Das ist doch kein Zustand!

P.S.: Du kannst meine gewählte Bezeichnung Frankfurt Kranz als Abwertung der Gruppe sehen, ich als Beschreibung einer Gruppe, welche mir mit diesem Namen leichter über die Tastatur rutscht.

Und provokant oder nicht - das letzte wird sein, das ich mich sprachlich verbiegen werde und damit meine eigene Authentität verliere - da war ja diese Sache mit Toleranz und Respekt. Die fängt auch an solchen Stellen an.

Ach, in der Tat? Von mir aus tu, was du willst. Ich habe dir gesagt wie das ankommt. Aber ich werde mich gern auf dich berufen, wenn ich mal wieder zu hören bekomme, ich würde durch die Art, wie ich meine Muttersprache benutze, Menschen ausschließen oder nicht ansprechen.

Aleks

schrieb am

@icke2AIDA Deine Sprachbenutzung ist aggressiv und abwertend. Aggression darf nicht Mittel der Politik und noch weniger des Diskurses sein.

Die richtige Antwort auf Gewalt und Aggression ist es, sie anzuprangern und sich von ihr fern zu halten.

Ich bewundere Astrid immer wieder, wie sie darüber hinwegschaut. Das muss ihr unheimlich Kraft kosten.

Schade Aleks

ClaudiaBerlin

schrieb am

Ich (keinPirat, Ex-Wählerin, immer noch interessiert...) war auch Gast im Mumble - das erste Mal, dass ich diese Art Kommunikation mitbekam. Dabei konnte ich auch gleich sehen, wie zuviel Transparenz schadet: wenn man erst noch diskutieren will, was man gemeinsam hat, ist es ziemlich irre, wenn jeder "falsche" Satz, der einer Menge "feindseliger Beobachter" nicht passt, gleich auf Twitter gebasht wird. Schon in diesem "Ideen-Pad" war das so. Da hatte grade jemand reingeschrieben, es solle darum gehen, wie man in der Piratenpartei wieder mehr Einfluss gewinnen könne - und gleich skandalisierte das jemand auf Twitter als "die wollen die Demokratie abschaffen". (=Unglaublicher Stuss und ein äußerst dummes Verständnis von Politik und Parteien überhaupt)

Zu deinem Posting:

Neben deinen 7 Punkten wurde auch das Thema LQFB als "Trennlinie" zwischen Plattform-Piraten und den Kernis genannt. Da du dich als "Kerni" verortest, vermute ich mal, dass du diesen Punkt einfach auslässt, weil du dagegen bist?

Für mich waren die Piraten eine Zeit lang Hoffnungsträger, die in Sachen "repräsentative Demokratie" vielleicht endlich etwas ändern würden. Erstmal Partei-intern, dann "ausstrahlend" aufs große Ganze. Endlich die Möglichkeiten nutzend, die das Netz für die Beteiligung vieler bietet - was für eine Vision!

Die jedoch ganz schnell zerrieben wurde, "totgespielt", wie es jemand im Mumble nannte, LQFB als "Wahlcomputer" diffamiert, aber auch nichts statt dessen entwickelt. Die Piratenpartei ist leider trotz aller Transparenz die undemokratischste Partei geworden, da nur gilt, was auf den seltenen und die Themen nicht schaffenden Parteitagen von einer kleinen Minderheit abgestimmt wird.

Damit war die ganze Strahlkraft in Sachen digitaler Demokratie-Fortschritt vom Tisch. Und bald auch die Piraten, die nurmehr durch interne Streitereien und übles Mobbing auf Twitter auffielen.

Mit diesem Schwerpunkt bin ich übrigens nicht alleine! Viele meiner Bekannten und Freunde hatten Piraten genau deshalb gewählt oder sich das für die Zukunft vorgenommen: LQFB war ein Versprechen, eine Vision, die leider einfach versenkt wurde, anstatt eine allgemeine öffentliche Debatte darüber anzustoßen - die natürlich auch das Spannungsfeld zwischen Teilhabe und Datenschutz thematisiert hätte.

Mag sein, dass diese Sicht der Dinge für viele aktive Piraten uninformiert und naiv wirkt - aber so ist das nun mal von gar nicht so wenigen Sympathisanten wahrgenommen worden.

Eine progressive Plattform täte also aus meiner Sicht gut daran, sich überparteilich zu positionieren und genau dieses Thema wieder auf die Agenda zu setzen!

Esmeralda

schrieb am

@Aleks: Es fällt mir in der Tat nicht sehr schwer, damit umzugehen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, woher die teils sehr aggressive Wortwahl auf beiden Seiten kommt. Da fällt es dann auch leichter, über so manches hinwegzusehen.

Nichtsdestoweniger mag ich es nicht, wenn Leute (ob einzeln oder in Gruppen) in den Kommentaren zu einem Blogartikel, den ich geschrieben habe, angegangen werden. Dann mache ich darauf aufmerksam.

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