Esmeralda kennt Wayne

Normal oder ...?

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: akzeptanz, miteinander, pluralismus, toleranz

Das Zitat, das Maisie Williams zugeschrieben wird, habe ich mir seit gestern intensiv durch den Kopf gehen lassen, zumal sie für diese Aussage sehr viel Zustimmung erfährt. Dieser Gedankengang zielt in eine Richtung, was niemand wirklich wollen kann: Den Tod der Vielfalt, den Tod der persönlichen Meinung, den Tod der Individualität. Entweder du bist normal oder du bist Sexist. Entweder du bist meiner Meinung oder du wirst ausgestoßen. Entweder du tust, was ich will, oder du bist wertlos. Entweder du bist so, wie ich dich will, oder ich habe dich nicht lieb. Normal ist, was dem in den Kram passt, der bewertet.

Es steckt in der Tat viel emotionale Erpressung in diesem Gedankengang - und das ist in meinen Augen eine sehr totalitäre Haltung. Als Pirat lehne ich das ab. Als Pirat bin ich der Ansicht, dass jeder Mensch exakt denselben Wert hat. Grundsätzlich braucht eine Gesellschaft einen gemeinsamen Wertekanon - aber einen, auf den sich alle einigen, der von allen akzeptiert wird. Werte oder Weltbilder können nicht diktiert werden - es sei denn, man wünschte sich eine Diktatur. Diese ermöglicht das Vorschreiben - das hat dann aber mit demokratischen Grundhaltungen nichts mehr zu tun. Werte müssen wachsen und gelebt werden. Das ist ein Prozess, der lange dauert und viel Geduld erfordert, er enthält ständiges Hinterfragen und permanente Überprüfung. Heute las ich in einem Artikel in der FAZ, die gemeinsamen Werte der EU seien Toleranz, Pluralismus und Nichtdiskriminierung. Und wie sieht das Leben aus, mit dem diese Worthülsen gefüllt werden?

Toleranz kommt vom lateinischen "tolerare" und bedeutet "aushalten, ertragen". Was ist denn auszuhalten, was zu ertragen? Wer hält hierzulande denn etwas aus - außer den sozial Schwachen am Rand der Gesellschaft? Doch eigentlich niemand mehr.

Ertragen ist aus der Mode gekommen. Toleriert wird nur das, was gefällt. Das hat mit Toleranz im ursprünglichen Sinne nichts mehr zu tun. Wer eine abweichende Meinung aushält, der ist heutzutage eine Art Verräter. Aber es ist nun einmal Merkmal einer Gesellschaft, dass sie dem Einzelnen zutraut, etwas auszuhalten und zu ertragen. Dagegen fordert sie zurecht nicht ein, das Tolerierte zu akzeptieren (vom lateinischen "accipere" für "gutheißen, annehmen, billigen"). Tolerieren muss man, akzeptieren kann man oder nicht.

Eine Gesellschaft, die statt eines gemeinsamen moralischen Kodex ein Gesetzes- und Verordnungswerk schafft, das jede noch so kleine Eigenheit einer jeden kleinen Splittergruppe berücksichtigt, wird in einer Zwangsjacke enden, die für Toleranz keinen Raum läßt und deren Nichtdiskriminierung die Kommunikation in einem Meer aus Regeln ertränkt. Pluralismus wäre dann das Erstarren im Nebeneinander anstatt des Wachsens im Miteinander. Das kann niemand wollen.

Lieber ist es mir, dass auch Sexisten und andere Menschen, deren Ansichten ich ablehne, normale Menschen sind, die ich im Diskurs für meine Überzeugungen begeistern kann (oder eben nicht), als dass normale Menschen in einer geistigen Zwangsjacke aus Beton leben und nur eine vorgegebene Meinung haben dürfen.

Nein, Miss Williams, ich kann Ihnen nicht zustimmen und auch nicht denen, die Sie für Ihre Worte so sehr loben. Überzeugen Sie diejenigen, die in Ihren Augen keine Feministen sind, von den Vorteilen des Feminismus, anstatt sie unnormal zu nennen. Das ist der Weg der Toleranz, des Pluralismus und der Nichtdiskriminierung.

Vielen Dank an Lily und Drachenrose für die freundliche Unterstützung.

1 Kommentar

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xwolf schrieb

am

Nach irgendeiner Frau (gemäß den Fall, es handelt sich um ein Wesen weiblichen Geschlechts, welches sich durch die Anrede Frau identifizieren mag), die ich nicht kenne und die oder mir auch sonst durch keine Leistung jemals in den Medien oder in Fachzeitschriften aufgefallen bin, die mir also völlig unbekannt ist, für diese bin ich also nicht normal. Und deswegen Sexist.

Ok. Dann bin ich in den Augen dieser Frau ein Sexist. Na und?

Liebe Frau Williams, nehmen Sie sich ein Keks für die 3 Minuten Aufmerksamkeit.

Solchen Menschen will ich nicht mehr Aufmerksamkeit und damit erst Macht geben. Es lenkt mich auch ab von wichtigen Dingen, von wichtigen Menschen: Viele Menschen müssen ihr leben lang hart arbeiten für jeden Keks, den sie dauernd für ihr Leben brauchen. Für ihre Familien und ihre Lieben. Diese Menschen sind wichtig.

Nicht jedoch diese: Leute wie Williams können selbst nichts und sind daher angewiesen auf mediale Aufmerksamkeit. Nur durch diese erwecken sie den Anschein an Wichtigkeit und Bedeutung, denn diese gibt ihnen eine laute Stimme auf der unbedarfte Menschen hereinfallen. Eigentlich sind es arme Schweine. Aber es lag in ihrer eigenen Entscheidung, dazu zu werden. Unwichtig zu werden.

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