Esmeralda kennt Wayne

Tag der blauen Mützen

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: barrierefreiheit, webstandards

Barrierefreiheit: Alle wollen sie, bis sie merken, dass das tatsächlich Anstrengung kostet. Dabei ist die Hauptanstrengung das Ausbrechen aus den eigenen Denkgewohnheiten, was eigentlich die Gehirnwindungen geschmeidig hält und den Blick offen. Nachdem der Mensch aber ein Gewohnheitstier ist, gestaltet sich das manchmal schwierig.

Deswegen und weil ich leider keine blaue Mütze habe, schreibe ich heute einige Grundsätzlichkeiten auf, die das Beachten von Barrierefreiheit im Online-Redaktionsalltag ein wenig leichter machen:

Damit sich alle ein Bild machen können

Menschen, die mit einem Monitor nichts anfangen können, weil sie nichts sehen, nutzen üblicherweise Screenreader und Braillezeilen, um die Inhalte der Webseiten aufnehmen zu können. Um ihnen die Nutzung zu erleichtern, achtet man am Besten darauf, dass alle Überschriften auch als solche im HTML Ihrer Seiten gekennzeichnet sind; im WYSIWYG-Editor gibt es dafür sehr oft ein Dropdown-Feld. Für die, die am Monitor Texte querlesen, macht es natürlich keinen Unterschied, ob für die Überschrift der Text einfach etwas größer und fett gesetzt ist - sie können das sehen und so anhand des etwas größeren, fetten Texts die einzelnen Abschnitte einordnen.

Blinde Menschen sind aber darauf angewiesen, dass ihre Wiedergabegeräte die Überschriften erkennen können. Einfach nur größer und fett wird als Teil des Texts wahrgenommen. Das führt dazu, dass man sich eventuell durch einen Wust an unnützem Text quälen muss und nicht bequem von Überschrift zu Überschrift springen kann.

Wenn der Text mit Fotos oder Grafiken illustriert wird, dann sollte das Bild über einen Alternativtext beschrieben werden. Sind Abbildungen für das Verstehen des Inhalts essenziell, dann dürfen diese durchaus ausführlicher und detaillierter ausfallen, z.B. bei Diagrammen. Warum nicht in einem Fließtext zumindest die wichtigsten Daten eines Diagramms präsentieren?

Damit sehbehinderte Menschen Texte gut lesen können sind ausreichende Kontraste wichtig. Aber nicht nur sehbehinderte Menschen profitieren davon. Jeder kann von stärkeren Kontrasten profitieren, beispielsweise bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

Videos sollten ebenfalls eine Beschreibung des Inhalts, die die Audiospur ergänzt, dazubekommen. Für Gehörlose ist eine Untertitelung hilfreich; eine Übersetzung in Gebärdensprache ist natürlich wunderbar - das kann aber wahrlich nicht jeder Anbieter leisten. Je wichtiger der allgemeine Transport der Inhalte ist, desto sorgfältiger sollte man hier arbeiten. Die schönste Werbung nützt nichts, wenn sie unverständlich ist.

Damit alle gut durchkommen

Menschen mit motorischen Einschränkungen haben es oft schwer, mit einer Maus zu hantieren; auch Tastaturen können hier Hindernisse darstellen, auch wenn es sehr viele gibt, die auf solche Einschränkungen Rücksicht nehmen. Deswegen sollte darauf geachtet werden, dass das Ansteuern von Links und Bedienelementen auch mit der Tabulatortaste möglich ist. Dazu sollte die Hervorhebung anklickbarer Elemente nicht unterdrücket werden, denn diese zeigt dem mauslosen Nutzer, an welcher Stelle er sich gerade mit der Tabulatortaste befindet.

Insgesamt: Barrierefreies Design ist genauso einfach oder schwierig wie ein Design, das nicht auf Barrierefreiheit achtet. Man muss vielleicht ein wenig umdenken und einiges schlicht anders lösen, als Sie es bisher taten.

Nichtsdestoweniger lohnt es sich, zu lernen, wie man von vornherein an alle denkt. Je mehr Übung man hat, desto weniger nimmt man überhaupt wahr, dass man barrierefrei arbeitet. Barrierefreiheit ist ein Webstandard und meint: One web for all. Dies ist die vielleicht wichtigste Botschaft des Blue Beanie Day.

Probieren Sie's aus - es macht Spaß, nützt Ihren Besuchern und ist gleichzeitig ein wenig Gehirnjogging.

0 comments

Innerparteiliche Transparenz, BEO und SMV

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: beo, piraten, smv, transparenz

Am 26.10.2016 habe ich den Bundesvorsitzenden der Piratenpartei Deutschland angeschrieben wegen einiger seiner Äußerungen zum Thema innerparteiliche Partizipation. Zugesagt hatte er mir die Antwort bis zum 1.11.2016. Nachdem bisher leider nichts bei mir eingetroffen ist, mache ich aus dem persönlichen Anschreiben einen offenen Brief. Ich hoffe sehr, damit eine innerparteiliche Diskussion anzustoßen, die seit längerem fällig ist. Hier der Brief, die Zitate sind wörtliche Mitschriften aus der Aufzeichnung der Bundesvorstandssprechstunde vom 3.10.:

Lieber Pakki,

am 3.10. hast du dich im Rahmen der Bundesvorstandssprechstunde wie folgt geäußert:

"Ich habe Kontakt aufgenommen zu einigen Akteuren auf Bundesebene, die mit dem Thema Liquid Feedback und auch SMV arbeiten, darunter sind auch Player, die mal Mitglieder der Partei waren, die sich jetzt im NGO-Bereich tummeln und an einer Neuentwicklung arbeiten von Liquid Feedback, weil alle, die irgendwo mal ernsthaft mit Liquid Feedback zusammengearbeitet haben oder mit der Software gearbeitet haben, sind der Meinung, dass das Tool sehr viel technischen Overhead hat und sehr viel umständlich ist zu administrieren. Das heißt, was das angeht, bin ich auf jeden Fall in der Weiterentwicklung dran, ich bin auch mit einigen Landesverbänden und auch dem Bundesdatenschutzbeauftragten in Kontakt und wir versuchen da erstmal, diese Landesebene weiter nach vorne zu bringen."

Und weiter:

"Ich erwarte nicht, dass wir auf Bundesebene jetzt, zum nächsten Parteitag schon den Satzungsänderungsantrag für eine SMV haben werden, dafür ist es noch verfrüht, aber, ich sag mal so, ich fange spätestens, wenn die erste oder die zweite SMV in den Landesverbänden läuft, damit an, diese Satzungsänderungsanträge vorzubereiten, ich bin auch schon in der Planung für eine erneute SMV, eine sogenannte SMV-Con mit ein paar Leuten, die wird voraussichtlich irgendwann im Januar stattfinden, es gibt auch Bewegung außerhalb der Piratenpartei, die sehr viel, ja, wie sagt man, sehr viel Hoffnung in die Piratenpartei setzt, weil sie denken, wir sind die einzige Partei, die das überhaupt, die überhaupt dazu in der Lage ist, sowas anzusetzen und sowas umzusetzen, insofern bleibt es spannend und glaub mir, ich bin wie so ein kleiner Wadenbeißer, wenn ich ein Thema hab, in das ich irgendwie verliebt bin, dann lass ich da nicht locker. Und wenn ihr mir da irgendwie querschießt und sagt irgendwie, wir wollen das nicht, dann macht euch schon mal auf böse Wunden in eueren Unterschenkeln gefasst."

Beim Nachlesen Deines Wortbeitrages fällt dir vielleicht auf, dass der zweite Teil wie eine Drohkulisse wirkt.

Ich denke, nach der oben genannten Sprechstunde ist uns allen klar, dass dir vor allem daran liegt, das Thema Onlinepartizipation voranzutreiben und der Partei möglichst bald ein funktionierendes System zur Verfügung zu stellen. Dazu habe ich (und viele andere Piraten sicher auch) Fragen. Vorneweg, damit du mich nicht falsch verstehst: Ich habe nichts dagegen, wenn du dich in das Thema Liquid Feedback hängst; du brauchst mir also keinerlei Warum und Wieso zu erklären - Was ich brauche, sind klare, belastbare Aussagen.

Und los geht's:

  1. Inwieweit waren deine Vorstandskollegen über deine Aktivitäten bezüglich SMV und Liquid Feedback informiert?
  2. Wer sind die Akteure auf Bundesebene, die du kontaktiert hast? Inwieweit arbeiten sie mit dem Thema Liquid Feedback und SMV?
  3. Wer sind die ehemaligen Mitglieder der Partei und in welchen NGOs tummeln sie sich?
  4. Ist dir bewußt, dass Sachsen die SMV inzwischen aus der Satzung gestrichen hat? Mit wem bist du im LV Sachsen bezüglich der SMV im Kontakt?
  5. Darf ich aus deinen weiteren Ausführungen schließen, dass du den BEO maximal als eine Art Brückentechnologie verstehst, die abgeschafft werden soll, sobald SMV/Liquid Feedback "Bundesreife" erreicht haben?
  6. Wer wird an der SMV-Con teilnehmen? Wird es dazu rechtzeitig vorher eine entsprechende Bekanntmachung geben?
  7. Das Herzstück von Liquid Feedback war das Delegationssystem - das war es ja auch, was diesem Tool seinen Namen gab; also das Herunterfließen von Delegationen über mehrere Teilnehmer. Ist die Systematik in Liquid Feedback immer noch die, dass Delegationen über mehrere Teilnehmer hinweg durchgereicht werden können?
  8. Gibt es zumindest die Folien von deinem Vortrag auf dem E-Vote-ID 2016? Eine Aufzeichnung wäre natürlich grandios, ich würde mir das gern ansehen.
  9. Nachdem das mit der Sprechstunde am 24.10. ja offensichtlich nicht geklappt hat: Wann dürfen wir denn mit deinem Bericht über den Kongress rechnen? Ich persönlich wäre hoch begeistert über eine schriftliche Zusammenfassung im Vorstandsportal.

Insgesamt ist mir außerordentlich wichtig, dass du Transparenz herstellst. Gerade das Thema Liquid Feedback ist außerordentlich heikel, weil vermittels dieses Tools vielen Menschen in der Piratenpartei übelst mitgespielt wurde. Wenn du also Liquid Feedback wieder in den Einsatz auf Bundesebene bringen möchtest, ist es essentiell, dass alle Piraten wissen:

Wenn du vorhast, die Satzung dahingehend zu ändern, dass auf lange Sicht eine SMV mit Liquid Feedback auf Bundesebene eingeführt werden soll, sollte die Erarbeitung der Satzungsänderungsanträge so öffentlich wie irgend möglich stattfinden. Schon zum jetzigen Zeitpunkt hast du das Problem, dass sich einige Leute gewaltig überfahren fühlen und fürchten, dass die Zustände wiederhergestellt werden könnten, die vor dem aBPT herrschten.

Bitte beantworte mir meine Fragen klar, deutlich und leicht verständlich; zum Einen,um Missverständnisse zu vermeiden und zum Anderen,damit bereits jetzt mit der Herstellung von Transparenz in dieser sicher nicht unbelasteten Angelegenheit begonnen werden kann. Es erleichtert vieles, wenn man auf Zitate/Antworten verweisen kann,die schriftlich vorliegen -das lässt am wenigsten Raum für Spekulationen.

Dir vielen Dank.

5 comments

Transparenz

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: ceta, piraten, tisa, transparenz, ttip

Die derzeit plakativsten Beispiele für einen Mangel an Transparenz sind wohl die Verhandlungen zu TTIP, CETA und TiSA. Die Verträge wurden und werden hinter verschlossenen Türen verhandelt. Das ist im Grunde nicht weiter schlimm, denn nicht jeder, der etwas ausarbeitet, möchte seine unausgegorenen Ideen ungefiltert in die Welt hinausblasen. Von daher habe ich gegen verschlossene Türen an dieser Stelle noch nicht viel einzuwenden.

Allerdings müssen sich diese Türen öffnen, sobald konkrete (Zwischen-)Ergebnisse erzielt werden. Solche Verträge - ebenso wie beispielsweise Gesetze - werden ja nicht in einem Rutsch erarbeitet, das wäre viel zu umfangreich. Es ist also davon auszugehen, dass es Verhandlungsetappen gibt und dass diese Etappen Ergebnisse zeitigen. Die gilt es zu präsentieren.

Das wäre für diese Verträge schon insofern wichtig als sie eben wirklich sehr umfangreich sind und das Studium der fertigen Verträge wohl einige Wochen in Anspruch nähme - wenn man in der Zeit nichts anderes tut und mindestens drei Anwälte zur Verfügung hat, die fit sind in internationalem Vertragsrecht. Und wenn man alle Unterlagen einsehen darf, sich Kopien und Notizen machen kann. Das war bei diesen Verträgen nicht der Fall. Ein abgeschlossener Raum, kein Handy, kein Notizblock und auch nicht alle Dokumente - so konnten sich unsere Vertreter informieren.

Deshalb gehe ich davon aus, dass beispielsweise Herr Gabriel, der ja CETA so intensiv bewirbt, keinen Schimmer hat, was in diesem Vertrag eigentlich steht; dasselbe gilt für Herrn Trudeau. Und das geht gar nicht. Unsere Volksvertreter werden gewählt, um uns zu vertreten, um in unserem Namen zu handeln. Einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Inhalt sie selbst noch nicht einmal genau kennen, ist fahrlässig und von daher abzulehnen. Dass die Bevölkerung keinen Zugang zu diesen Verträgen erhält, bevor sie unterschrieben sind, halte ich für skandalös.

Und so passiert, was passieren muss: Es kommen immer wieder Meldungen über den Inhalt der Verträge oder über den Verhandlungsstand, die teilweise doch sehr besorgniserregend klingen. Das irritiert berechtigterweise die Menschen, über deren Alltag, Arbeitsleben und Konsummöglichkeiten da Entscheidungen ohne ihr Wissen und über ihren Kopf hinweg getroffen werden und führt letztlich zur Ablehnung des gesamten Vorhabens.

Anhand von CETA hätte man hier wirklich lernen können. Schrittweise verhandeln, Verhandlungsstände veröffentlichen, auf Augenhöhe mit den Menschen arbeiten, Meinungen und Anregungen aus der Bevölkerung einholen - das wäre der wünschenswerte Weg gewesen. Die Bevölkerung genauso mit einbeziehen wie die Unternehmen, die - so der aktuelle Informationsstand - wohl am Meisten von diesen Verträgen profitieren, müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Wie gesagt, das Beispiel ist plakativ. Viel zu oft passiert es, dass Orts- oder Stadträte, Landesregierungen oder auch die Bundesregierung durchaus Rat einholen - aber eben nur von denen, die angeblich Experten auf einem bestimmten Gebiet sind, weil sie aus der jeweiligen Lobbyvertretung kommen und selbstverständlich die Interessen der Unternehmen und Verbände vertreten, von denen sie für ihre Arbeit bezahlt werden.

Auf diese Weise wird dann volle Knäcke an den Menschen vorbeiregiert. Transparenz würde hier auch wirklich das Ablegen von Rechenschaft bedeuten, die Mitteilung "ich habe mit diesen Vertretern eines Industriezweigs gesprochen und dabei wurde folgendes Ergebnis erzielt". Würden tatsächlich die Interessen des ach so sehr umworbenen Wählers, auf dessen Stimme man ja angewiesen ist, angehört und in Betracht gezogen, wären uns wohl sowohl Riester-Rente als auch Hartz IV erspart geblieben.

Die Parlamente sind voll mit Lobbyisten, Menschen, die die Interessen von Unternehmen und Verbänden vertreten. Wer keine Lobby hat, läuft Gefahr, nicht wahrgenommen zu werden. Wer eine übermächtige Lobby hat, hat gute Chancen, überproportional wahrgenommen zu werden. Ein für alle einsehbares Lobbyregister würde hier Abhilfe schaffen. Es würde auch sehr helfen, wenn die Bürger sich darüber informieren könnten, welche Politiker mit welchen Lobbyvertretern verhandeln. In Deutschland ist das ein Traum, der weit, weit von einer Erfüllung entfernt ist.

Ich wäre froh, wenn "der Bürger" endlich nicht mehr der Feind der Politik wäre, sondern der Partner. Wir, die Bürger, sind es doch, für die der politische Aufwand überhaupt getrieben wird. Es geht um das Wohlergehen aller Menschen, nicht etwa nur um den Profit von Wenigen.

Also, liebe Politiker: Denken Sie doch bitte mal scharf nach und kommen Sie auf Augenhöhe mit uns. Glauben Sie mir: Es ist nicht schlimm - und es kann verdammt interessant werden!

0 comments

Danke!

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: dank, landesvorstand, piraten

Liebe Nikki,
lieber Max,
lieber Klaus,
liebe Dorle,
lieber Thomas,
lieber Olaf,
lieber David,

Ihr habt über einen langen Zeitraum den Landesverband Bayern als Vorstand begleitet. Ihr habt geackert und geschuftet, damit dieser Landesverband präsent ist und präsent bleibt, damit wir zahlungsfähig bleiben, damit die Verwaltung stimmt und dem Datenschutz Genüge getan sei, damit alle Piraten sorglos vor sich hin arbeiten können, damit wir in Bayern das wenige, was wir bewegen können, auch bewegen.

Das war hartes Brot, viel Arbeit, Nächte, die ihr euch um die Ohren geschlagen habt, Geld, das ihr investiert habt - und der Dank war viel zu selten und viel zu zaghaft. Wie sagt der Franke immer so nett? "Ned g'schimpft is aa g'lobt!".

Dafür waren die, die euch kritisiert haben und euch das Leben schwer gemacht haben viel zu laut und viel zu sichtbar. Wir, die Basis (und ja, selbst als Bundesvorstandsmitglied war ich in Bayern Basis!) haben kein Mittel gefunden, euch dabei zu unterstützen, diese anstrengenden, lauten, motzenden, maulenden, missgünstigen Menschen zumindest ein wenig auf Abstand zu halten. Das tut mir persönlich sehr leid.

Es waren anstrengende Jahre und ihr habt euch eine Pause verdient. Ich hoffe jedenfalls, dass es nur eine Pause wird (wenn wir mal von Thomas absehen ;oD). Ruht euch aus und kommt frisch wieder, bitte! Vielleicht nicht als Vorstand, aber doch als diejenigen, die helfen, das Beste zu zeigen, was diese Partei zu bieten hat: Ihren Enthusiasmus, ihre Ziele, ihre Diskussionsfreude - ihre Politik.

Danke euch für die wirklich viele Arbeit, die ihr geleistet habt. Ihr seid wirklich, ehrlich großartig!

Dankeschön
1 comments

Der frische Wind

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: piraten

Die Piratenpartei war, als ich eintrat, von außen betrachtet eine Ansammlung liebenswerter, leicht schrulliger Nerds. Von innen bestand sie aus vielen sehr ernsthaften Menschen, die einerseits dagegen Sturm liefen, dass die Internetnutzung eingeschränkt werden sollte (und das auch noch auf eine technisch überaus dilettantische Art) und andererseits Fachwissen und Vernunft bezüglich der immer schneller werdenden technischen Neuerungen, die das Internet mit sich bringt, in die Politik transportieren wollten.

Da ging es viel um Aufklärung, darum, was es bedeutet, Menschen tagtäglich zu überwachen und auszuspionieren, ohne einen Grund dafür zu haben. Da ging es um Vorratsdatenspeicherung. Da ging es um Geschäfte, die mit personenbezogenen Daten gemacht werden - von der Gemeinde, die Datensätze von Bürgern vertickt bis hin zu den unendlich vielen Rabattkarten, die das Kaufverhalten des Einzelnen analysieren und so höchst personalisierte Werbung ermöglichen. Um die Registrierung von Gewohnheiten, um Bewegungsprofile, um Daten über sportliche Betätigung und darum, was damit alles passieren kann, wenn sie in die falschen Hände geraten.

Daneben lief eine Diskussion zur Sozialpolitik und es lief auch schon eine Diskussion über das BGE. Die meisten Piraten waren aber von der Idee wenig bis nicht begeistert, zumal sich niemand die Mühe machte, durchzurechnen, was das tatsächlich kosten würde und welche Maßnahmen zu ergreifen wären, um das BGE zu realisieren. Dieser Punkt war der Umstrittenste, als ich eintrat.

Der Mitgliederstand war ungefähr so hoch wie er es heute auch ist: In etwa 12.000 Menschen. Der Unterschied lag darin, dass von diesen 12.000 Menschen zwar recht viele keinen oder nur einen reduzierten Mitgliedsbeitrag zahlten - aber dafür waren deutlich mehr dabei, die einfach mitgearbeitet haben. Wir waren ein Team.

Woher kam die Motivation? Sie kam aus dem Bewußtsein, dass wir gemeinsam etwas tun wollten: Die politische Landschaft in Deutschland verändern. Sie kam aus dem Bewußtsein, dass wir dafür einiges würden aushalten müssen - zum Beispiel uns an Infoständen aufs Unflätigste beschimpfen zu lassen als Kinderschänder, Junkies und Diebe. Das haben wir gemeinsam ausgehalten und das hat Zusammenhalt gebracht.

Heute haben wir einiges hinter uns. Wir haben den Versuch der Übernahme der Partei von einer sehr kleinen, sehr scharf begrenzten Gruppe von Menschen mit einer totalitären Einstellung überstanden. Das hat aber Spuren hinterlassen und uns die Unschuld derer genommen, die wirkliche Freiheit wollen. Es hat Mitglieder gekostet, es hat Vertrauen gekostet.

Nicht nur das Vertrauen der Menschen, die die Piratenpartei gewählt haben, nein. Es hat auch das Vertrauen beschädigt, das wir als Parteimitglieder einander entgegengebracht haben. Und es hat uns die Intriganten gebracht, die eine imaginäre Macht an sich reißen wollten und wollen; Menschen, die nie öffentlich sichtbar werden, die stolz sind auf den Einfluß, den sie im Hintergrund ausüben und auf die Fäden, die sie ziehen zu können meinen. Menschen, die manipulativ sind und ihre eigenen Interessen verfolgen. Solche haben wir noch in der Partei - und letztlich weißt du nie, wem du in diesem Laden noch trauen kannst. Das ist schlecht und demotiviert aufs Übelste, weil jeder, der etwas für die Partei, für unsere Ziele, für die politische Arbeit tun möchte, nie wissen kann, ob die Arbeit, die er investiert, begrüßt und anerkannt wird.

Ich bin immer den Weg gegangen, alle einzuladen, um Arbeit zu tun, habe aber - weil ich diese Partei kenne - nie Anerkennung versprochen, die über meine Person hinaus geht. Das liegt daran, dass ich es unehrlich fände, das zu tun.

Nun ist da einer, der (mal wieder) die Partei retten will und Pläne hat, von denen ich, die ich ein Jahr im Bundesvorstand war, weiß, dass der Großteil nicht durchführbar ist. Sekor wurde immer wieder vorgeworfen, er habe Zusagen gemacht, die er nicht eingehalten habe. Er hat sich damit die Wut und teilweise sogar den Hass von Parteimitgliedern zugezogen. Patrick wird es nicht anders gehen, zumal das, was er versprochen hat, absolut uneinhaltbar ist. Will heißen: Er wird zunächst im Bundesvorstand diskutieren müssen, welche seiner wirklich großen Pläne überhaupt angegangen werden können. Das wird deprimierend wenig sein.

Und gerade deswegen rufe ich euch auf, den Bundesvorstand zu unterstützen, wo ihr könnt. Letztlich sind es euere Träume, die da propagiert wurden, sonst hättet ihr Patrick ja nicht gewählt. Je mehr ihr tut, desto eher kann das eine oder andere wahr werden. Es ist nicht damit getan, einen neuen Bundesvorsitzenden zu wählen. Patrick ist nicht Jesus, er kann keine Wunder wirken.

Der Nimbus "Internetpartei" ist ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen. Jeder, der sein Thema verfolgt, vom BGE über den Tierschutz bis hin zur Wirtschaftspolitik, muss unbedingt überlegen: "Was hat mein Thema mit dem Internet zu tun?". Die Technik, die uns mit dem Internet, mit der Leichtigkeit, in der Daten gesammelt, gehalten und mißbraucht werden können, zur Verfügung steht, sollte das Zentrum unserer Überlegungen sein, denn sie ist tatsächlich ein zentrales Thema. Fragt euch, wie man diese Technik in euerem Betätigungsfeld zum Nutzen der Menschen einsetzen kann und wo sie mißbraucht werden kann und wie. Und dann entwickelt euere Ideen!

Dazu sollten wir alle zusehen, dass die doch sehr prekäre finanzielle Lage der Partei deutlich besser wird. Zahlt euere Mitgliedsbeiträge und spendet, was ihr erübrigen könnt. Es geht in ein Jahr, in dem nicht weniger als sieben wirklich wichtige Wahlen anstehen. Sekor hatte vollkommen recht, als er sagte, wir brauchen eigentlich auf Bundesebene 100.000 Euro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, wir brauchen einen Pressesprecher, der die Redaktionen abklappert und uns interessant macht, wir brauchen Material, wir brauchen Helfer. Zusätzlich zum laufenden Geschäft. Das kostet Geld.

Und wir brauchen einen gemeinsamen Weg. Das können natürlich die Vorstände regeln - dann müßt ihr denen aber auch vertrauen und diesen Weg mitgehen. Oder ihr entwickelt euere eigenen Ideen und stellt sie zur Diskussion. Das muss dann aber schnell gehen und diese Diskussion muss spätestens am 31. Januar 2017 beendet sein. Bis dahin müssen wir alle wissen, was wir an Infoständen erzählen, da müssen Arguliner da sein und es müssen Schulungen stattfinden, damit wir im Frühjahr losgehen können und uns präsentieren.

Es gibt massig zu tun. Ich brauche weder Titel noch Entscheidungsvollmacht, um für die Piratenpartei zu arbeiten. Vielleicht bewerbe ich mich um ein Vorstandsamt, vielleicht lasse ich es auch sein. Fakt ist: Ohne die Mitarbeit möglichst vieler Piraten und ohne Spendenbereitschaft können wir's vollkommen vergessen. Lasst uns ranklotzen!

Klarmachen zum Ändern!

9 comments

Normal oder ...?

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: akzeptanz, miteinander, pluralismus, toleranz

Das Zitat, das Maisie Williams zugeschrieben wird, habe ich mir seit gestern intensiv durch den Kopf gehen lassen, zumal sie für diese Aussage sehr viel Zustimmung erfährt. Dieser Gedankengang zielt in eine Richtung, was niemand wirklich wollen kann: Den Tod der Vielfalt, den Tod der persönlichen Meinung, den Tod der Individualität. Entweder du bist normal oder du bist Sexist. Entweder du bist meiner Meinung oder du wirst ausgestoßen. Entweder du tust, was ich will, oder du bist wertlos. Entweder du bist so, wie ich dich will, oder ich habe dich nicht lieb. Normal ist, was dem in den Kram passt, der bewertet.

Es steckt in der Tat viel emotionale Erpressung in diesem Gedankengang - und das ist in meinen Augen eine sehr totalitäre Haltung. Als Pirat lehne ich das ab. Als Pirat bin ich der Ansicht, dass jeder Mensch exakt denselben Wert hat. Grundsätzlich braucht eine Gesellschaft einen gemeinsamen Wertekanon - aber einen, auf den sich alle einigen, der von allen akzeptiert wird. Werte oder Weltbilder können nicht diktiert werden - es sei denn, man wünschte sich eine Diktatur. Diese ermöglicht das Vorschreiben - das hat dann aber mit demokratischen Grundhaltungen nichts mehr zu tun. Werte müssen wachsen und gelebt werden. Das ist ein Prozess, der lange dauert und viel Geduld erfordert, er enthält ständiges Hinterfragen und permanente Überprüfung. Heute las ich in einem Artikel in der FAZ, die gemeinsamen Werte der EU seien Toleranz, Pluralismus und Nichtdiskriminierung. Und wie sieht das Leben aus, mit dem diese Worthülsen gefüllt werden?

Toleranz kommt vom lateinischen "tolerare" und bedeutet "aushalten, ertragen". Was ist denn auszuhalten, was zu ertragen? Wer hält hierzulande denn etwas aus - außer den sozial Schwachen am Rand der Gesellschaft? Doch eigentlich niemand mehr.

Ertragen ist aus der Mode gekommen. Toleriert wird nur das, was gefällt. Das hat mit Toleranz im ursprünglichen Sinne nichts mehr zu tun. Wer eine abweichende Meinung aushält, der ist heutzutage eine Art Verräter. Aber es ist nun einmal Merkmal einer Gesellschaft, dass sie dem Einzelnen zutraut, etwas auszuhalten und zu ertragen. Dagegen fordert sie zurecht nicht ein, das Tolerierte zu akzeptieren (vom lateinischen "accipere" für "gutheißen, annehmen, billigen"). Tolerieren muss man, akzeptieren kann man oder nicht.

Eine Gesellschaft, die statt eines gemeinsamen moralischen Kodex ein Gesetzes- und Verordnungswerk schafft, das jede noch so kleine Eigenheit einer jeden kleinen Splittergruppe berücksichtigt, wird in einer Zwangsjacke enden, die für Toleranz keinen Raum läßt und deren Nichtdiskriminierung die Kommunikation in einem Meer aus Regeln ertränkt. Pluralismus wäre dann das Erstarren im Nebeneinander anstatt des Wachsens im Miteinander. Das kann niemand wollen.

Lieber ist es mir, dass auch Sexisten und andere Menschen, deren Ansichten ich ablehne, normale Menschen sind, die ich im Diskurs für meine Überzeugungen begeistern kann (oder eben nicht), als dass normale Menschen in einer geistigen Zwangsjacke aus Beton leben und nur eine vorgegebene Meinung haben dürfen.

Nein, Miss Williams, ich kann Ihnen nicht zustimmen und auch nicht denen, die Sie für Ihre Worte so sehr loben. Überzeugen Sie diejenigen, die in Ihren Augen keine Feministen sind, von den Vorteilen des Feminismus, anstatt sie unnormal zu nennen. Das ist der Weg der Toleranz, des Pluralismus und der Nichtdiskriminierung.

Vielen Dank an Lily und Drachenrose für die freundliche Unterstützung.

1 comments

Sexistisch oder lustig?

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: Babykleidung, Scherz, Sexismus

Der Babybody, um den es geht, findet sich auf der Website "Lustige Strampler".

Bild des Bodys

Meine Frage, ob das Kleidungsstück (beziehungsweise die Aufschrift) nun sexistisch oder lustig sei, wurde indifferent und sehr zögerlich beantwortet. Die Meinungen deckten die volle Bandbreite zwischen "das ist lustig" und "das ist sexistisch" ab. Da sieht man mal wieder, wie kontrovers das Thema ist.

Meine Meinung: Natürlich ist das sexistisch! Und lustig ist es auch - aber dazu später.

Es ist selbstverständlich sexistisch, wenn man Menschen Klischees zuordnet, weil sie einem Geschlecht angehören. "Papa" bezeichnet eindeutig eine männliche Person, womit das Klischee, dass Väter Probleme haben, ihrem Kind ein solches Kleidungsstück überzuziehen, Männern zugeordnet wird. Das ist sexistisch, ganz klar.

Andererseits - und da sind wir bei der Frage, inwieweit es lustig ist - haben sehr viele Menschen schon einmal einen recht verzweifelten Vater am Wickeltisch stehen sehen, der versucht, dem zappelnden Baby ein Kleidungsstück unfallfrei überzustreifen; zudem ist das Rollenbild, das dem Mann an sich einen gewissen Mangel an Geschick in der Kinderpflege zuweist, in den meisten Köpfen immer noch sehr fest verankert (wenn auch meistenteils falsch). Und so bringt uns dieses Babykleidungsstück eher ein Schmunzeln ins Gesicht als ein Stirnrunzeln.

Was lernen wir jetzt daraus? Sexismus kann, wenn wohldosiert und in freundlicher Absicht angewendet, durchaus lustig sein. Er kann auch dazu dienen, überkommene Rollenbilder herauszuarbeiten und diejenigen, die sie unbewußt im Kopf haben, dazu bringen, über sich selbst zu lachen und umzudenken. Insofern ist Sexismus nicht unbedingt immer etwas Schlechtes.

Ich denke, wir sollten uns unseren Humor bewahren und über solche kleinen Sticheleien, die in unserem Kopf bestimmte Bilder erzeugen, weiterhin schmunzeln - in dem Bewußtsein dessen, was das Schmunzeln eigentlich ausgelöst hat.

1 comments

Mate Cocido

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: Mate

Man nehme:

Das Wasser in einem Wasserkocher zum Kochen bringen.

Inzwischen den Zucker in einem Topf erhitzen, bis er karamelisiert. Dann die Mate dazugeben und umrühren, bis alles gut vermischt ist.

Vorsicht: Das geht schnell, und noch schneller brennt der Zucker an!

Das heiße Wasser dazugießen.

ACHTUNG! Das schäumt wie die Seuche, deswegen einen hohen Topf nehmen und einen Deckel zur Hand haben - sonst wird der Herd geflutet!

Das Ganze dann ca. 2 - 3 Minuten ziehen lassen und anschließend abgießen.

Den Cocido kann man mit Milch trinken oder pur. Bei Bedarf nachsüßen.

Wohl bekomm's!

0 comments

Schwank aus meinem Alltag

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: Alltag

Am Samstag war es mal wieder so weit: Ich war tagsüber nicht zuhause und also habe ich Geld auf den Wohnzimmertisch gelegt und meinem (noch schlafenden) Sohn gesagt, er möge bitte einen Einkaufszettel machen, Papa käme nachher und machte den Einkauf mit ihm. Aus dem Bett kam ein Gebrummel, das sich in etwa wie "Ja, ist gut" anhörte und ich machte mich also auf den Weg zu meinem Volkshochschulkurs, auf dass mein Hirn mal neuen Input bekomme.

Spätnachmittags kam ich belehrt und glücklich zuhause an und stellte fest, dass der Einkauf fünfzig Euro weniger gekostet hatte als gedacht, denn dieses Geld lag auf dem Tisch. Mir schwante Schreckliches - zurecht, wie ein Blick in den Kühlschrank bestätigte. So stand ich am Sonntag da und hatte für das frugale Sonntagsmahl noch Kidneybohnen, Mais, Dosentomaten, Nudeln und Sojafleischersatz zur Verfügung.

Zwei Stunden Nachdenkens später dachte ich mir, ich könnte es ja mal mit dem Sojafleischersatz, den ich schon etwas länger im Schrank hatte (etwas viel länger!), versuchen. Flugs habe ich also die 150 Gramm bröseliges Zeugs in Fertigfleischbrühe eingeweicht und dem Sohn Bescheid gesagt, denn ich machte mir keine Illusionen, dass der holde Knabe merken würde, dass es sich bei diesem "Geschnetzelten" noch nicht mal um Hühnerfleisch handeln könne. Er meinte, man könne es ja mal versuchen.

Nach der halben Stunde Einweichzeit habe ich das "Fleisch" also erst einmal abgegossen und abtropfen lassen, Olivenöl in einem Topf erhitzt, die Sojafetzen darin angebraten, Dosentomate zugegeben, mit reichlich Paprika, Cayennepfeffer und Majoran gewürzt (Knoblauch darf ich nicht, das isst das Kind nicht, aber das hätte es jetzt auch nicht rausgerissen) und ein bisschen durchkochen lassen. Zum guten Schluß noch je eine Dose Kidneybohnen und Mais, fertig war das Chili con Sojafetzen.

Der Sohn nahm sich einen Teller voll und aß auch in der Tat gut zwei Drittel. Danach meinte er: "Mama, das nächste Mal machen wir das einfach ohne Fleisch. Das schmeckt einfach... gar nicht gut."

Er hatte ja recht. Wirklich. Nachdem aber noch einiges übrig war, habe ich dann heute abend diesen Rest mit Camembert überbacken und mir zum Abendessen einverleibt. Ich habe noch nie erlebt, dass irgendein Lebensmittel den Geschmack von Camembert derart gründlich absorbieren kann.

Fazit: Diese Woche gibt's Nudeln, hauptsächlich mit Tomatensoße. Und für Samstag schreibe ich jetzt schon einmal einen Einkaufszettel, wer weiß, was sonst passiert!

1 comments

Terror in Paris

Veröffentlicht am von Esmeralda, geändert am
Veröffentlicht unter: anschlag, paris, trauer, überwachung

Frankreich ist schreckensstarr. Was genau passiert ist, werden wir wohl frühestens im Laufe des Tages erfahren. Fest steht, dass mehrere Bomben explodiert sind, dass Menschen erschossen wurden und dass Geiseln genommen wurden. Das ist ein Anlaß zur Trauer und es ist auch ein Anlaß, den Franzosen Unterstützung anzubieten und Trost zu spenden, so gut das geht.

Aber es ist auch ein Anlaß zum Mahnen. Frankreich hat die Vorratsdatenspeicherung - und diese wirklich beispiellose Anschlagserie wurde trotzdem nicht verhindert. Die Dinge sind, wie sie sind: Wenn Menschen etwas wirklich tun wollen, dann werden sie einen Weg finden, das auch zu tun. Dagegen hilft keine Vorratsdatenspeicherung, keine lückenlose Überwachung aller im Land befindlichen Menschen, keine Überwachungskameras - nichts.

Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass Leben lebensgefährlich ist. Und wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Verbrechensprävention nicht automatisierbar ist - weil Menschen keine Automaten sind. Das einzige, was hilft, um Verbrechen vorzubeugen, die von Menschen begangen werden, sind tatsächlich Menschen.

Wirklich gut ausgebildete Polizisten, die wissen, was sie tun, die gezielt überwachen können. Dazu wirklich gut ausgebildete Staatsanwälte und Richter, um die Arbeit der Polizei zu beaufsichtigen. Das und nichts anderes hilft, denn das bringt Rechtssicherheit. Maschinen haben von Gerechtigkeit keine Ahnung.

Aber menschliche Arbeit ist teuer; Maschinen, Apparate, Algorithmen brauchen nur Strom, sie funktionieren rund um die Uhr und brauchen nichts zu essen. Dafür können sie aber nur auf ihre auf Algorithmen eingeschränkte Weise denken und sind nicht in der Lage, Schlüsse zu ziehen. Die Gefahr, dass Menschen sich zu sehr auf diese apparategemachten Ergebnisse verlassen, dass deswegen Unschuldige, die durch das vorgegebene Raster passen, Verfolgung zu erleiden haben, ist größer als die Chance, Übeltäter zu fassen oder ihre Übeltaten zu verhindern.

Sie werden trotzdem kommen, die Rufe nach der Technik, die das Heil bringen soll, die den einfachen Weg in die wohlige Sicherheit bereiten soll. Und es werden wieder Menschen kommen, die vorgaukeln, das optimale Sicherheitsprogramm zu haben, den Algorithmus der Algorithmen, den Apparat, der die Bösen identifiziert, bevor sie Böses tun werden.

Allein, es wird nicht funktionieren. Weil Menschen Menschen sind und Maschinen Maschinen.

Mein ganzes Mitgefühl gehört den Menschen, die in Paris Angehörige verloren haben, die in den letzten Stunden das Grauen erleben mußten, das ein Terroranschlag mit sich bringt. Ich hoffe, dass trotz allem die richtigen Maßnahmen zur Gefahrenprävention ergriffen werden, damit eben trotz aller Überwachungsmechanismen nicht wieder ein solcher Anschlag geschehen kann.

1 comments